Von René Drommert

Zu den Größen der sowjetrussichen Literatur, bei uns nicht nur recht unbekannt sind, sondern zunächst auch, kommen wir mit ihnen zufällig in Berührung, erschreckend fremd wirken, gehört Wladimir Wladimirowitsch Majakowskij.

Er wurde drei Jahre später als Boris Pasternak, nämlich 1893, als Sohn eines georgischen Waldhüters geboren, war mit dem Schiwago-Autor befreundet – aber des öfteren, unter jähen Schockwirkungen von Majakowskijs launenhaften oder genialischen Ausfällen, auch zerstritten oder vielmehr „zerfremdet“.

Er hat, ein Hüne von Gestalt, ein unruhevolles, nicht selten unduldsames, ja gewalttätiges Leben geführt, das sich in seinem Werk vielfach spiegelt, und er ist in Moskau am 14. April 1930 durch Selbstmord geendet. Die Gründe für diesen überraschenden Tod sind nie ganz aufgeklärt worden. Sicher ist wohl, daß er mit der Gesellschaft zerfallen war. Doch scheinen auch andere Gründe für den gewaltsamen Abschluß bestanden zu haben, nicht zuletzt Liebeskummer und Enttäuschung.

Majakowskij, der 1926 bis 1930 durch Europa und Amerika reiste, verliebte sich 1928 in Paris in eine junge russische Emigrantin – und wurde ein Jahr später von ihr fallengelassen: Das hatte das Schicksal für den fanatischen Anhänger der kommunistischen Partei der Bolschewiki und also Verächter der Emigration offenbar mit Sarkasmus erdacht. Zwar hat Majakowskij, als der Lyriker Jessenin 1925 Selbstmord beging, die Tat scharf verurteilt. Aber das Motiv des Freitodes kommt, worauf Gerhard Zwerenz im WDR hinwies, in Majakowskijs Werken des öfteren vor. 1917 schrieb der Dichter zum Beispiel: „Apotheker, hilf mir, die Seele ohne Schmerz und Leid in die Freiheit der Weite hinauszuführen: Gib Gift“.

Entscheidende Züge lernt der deutsche Leser nun durch das Buch kennen

Wladimir W. Majakowskij: „Gedichte“, übertragen von Karl Dedecius, russisch-deutsch; Verlag Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München; 112 S., 6,80 DM.