aus den herrschaftlichen Gärten

der Poesie,

der launischen Weibsperson. Majakowskij verachtete den Zarismus. In seinen Versen stampfen und knarren die Marschstiefel der Oktoberrevolution, in ihnen glüht und brennt der Mut und Hochmut einer neuen Epoche.

Der Übersetzer Karl Dedecius verfährt zuweilen ungenau, obwohl ich mich frage: Wann könnte man schon mit einem Übersetzer ganz zufrieden sein? So überträgt er einmal "Wasserträger" (wodowos) mit "Wasserexperte"; "flink, gewandt" (lowkij) mit "reich", "unsterblicher Ruhm" (bessmertnaja sslawa) mit "Heldengrüfte". Warum nur? Aber das weit Schwierigere ist Dedecius gelungen: den Stil, den ungefälligen Rhythmus der Sprache, die Provokation der Metaphern (ich möchte zuweilen sagen: die Anrempelei mit Sprachbildern), ja ein paar äußerst schwierige Wortspiele sinnvoll zu verdolmetschen.

Majakowskij, der auch Komödien ("Banja", "Die Wanze") geschrieben hat, ist von Pasternak einerseits hoch gelobt worden. Andererseits ist er gerade neuerdings, in einem Brief an Dedecius, auch mit einer starken Einschränkung bedacht worden: "... wundere... mich immer mehr, wie dieser Dichter genialster Einsicht (und auch Verehrer des Nützlichen und Gescheiten) nicht zur Erkenntnis gekommen ist, daß in seinem Falle der ungemeinsten Vorstellungen die Notwendigkeit der gewöhnlichsten Ausdrucksmittel am entbehrlichsten gewesen sei..."

Mir will freilich scheinen, als sei gerade die Gewöhnlichkeit der Mittel Majakowskij unentbehrlich gewesen. Denn nicht mit geistig sorgsam regulierten, subtilen, geschmeidigen Mitteln hätte er das erfüllen können, was ihm doch der Hauptauftrag seines Lebens war: Blitze der Empörung und Provokation hineinzuschleudern in die modrige Idyllik der absterbenden bürgerlichen Welt Rußlands. Noch ein Tschechow konnte in seinen Dramen und Erzählungen jenen Typus des Dichters repräsentieren, der das Gras wachsen hört: der die unauffälligsten Zeichen der Veränderung wahrnimmt und zu deuten weiß.

Majakowskij dagegen ist, wenigstens auf der Höhe seines Schaffens, alles andere als eine seherische Natur. Er ist der Dichter des unnachsichtigen, elementaren Durchbruchs. Ich habe den Eindruck, daß er sich zur Revolution noch mehr durch eine vitale als durch eine geistig-moralische Kraft hingezogen fühlte. Der Umsturz in Rußland gab die "Kulisse" und, so scheint es, wenigstens partielle Rechtfertigung für seine eigene genialische Unruhe und Ungebärdigkeit ab.