Während die englische Prinzessin Alexandra von Kent auf ihrer Fernostreise in Kambodscha Station machte, traf in London eine Protestnote aus Moskau ein, in der die britische Regierung beschuldigt wurde, sie versuche das südostasiatische Königreich „unter ausländische Kontrolle“ zu bringen.

Der Protest galt allerdings nicht dem Höflichkeitsbesuch der Prinzessin, die sich in Kambodscha an den Tanzpantomimen der Königlichen Balletts ergötzte und die Tempelstadt Angkor besuchte. Moskau beschwerte sich vielmehr darüber, daß England hinter dem Rücken der Sowjetunion die Auflösung der internationalen Waffenstillstandskommission von Kambodscha vorgeschlagen habe – jener Kommission, die 1954 bei der Genfer Indochina-Konferenz (bei der England und die Sowjetunion gleichberechtigt den Vorsitz führten) eingesetzt wurde, um die Durchführung der Genfer Abkommen zu überwachen. Der Kreml verwies auf das „warnende Beispiel“ von Laos, wo nach Auflösung der dort arbeitenden Kommission sofort „bürgerkriegsähnliche Zustände aufgetreten“ seien.

Das englische Außenministerium korrigierte Moskau. Der Vorschlag zur Auflösung der Kommission sei von Kambodscha gemacht und Moskau vorgelegt worden. Die englische Regierung habe lediglich festgestellt, daß die Kommission arbeitslos sei und sich daher vorläufig vertagen könne.

Der Hinweis auf Laos verdeutlicht das Motiv des sowjetischen Protests. In Laos war es nämlich dem Ministerpräsidenten Sananikone – sobald die Kommission zu Beginn des Jahres 1958 das Land verlassen hatte – gelungen, den Staat ins westliche Lager zu führen. Moskau will in Südostasien den Status quo erhalten und auf jeden Fall verhindern, daß Kambodscha, dessen Ministerpräsident Prinz Sihanuk bisher eine strikt neutrale Politik verfolgt, womöglich dem laotischen Beispiel folgt. R. Z.