In der Sowjetunion gibt es keinen Who is Who und auch keine anderen Nachschlagewerke dieser Art. Zu Stalins Zeiten waren selbst Biographie-Angaben von Mitgliedern der Spitzenführung oft nur schwer zu ermitteln. Gewiß ist dies in den letzten Jahren etwas leichter geworden. Aber auch heute noch bereitet es mitunter nicht geringe Schwierigkeiten, etwa die Biographie einzelner Minister oder Gebietssekretäre der Partei lückenlos darzustellen. Meist ist dazu eine sorgfältige Mosaikarbeit aus zerstreuten Hinweisen in Zeitungs- und Zeitschriften-Artikeln notwendig.

In den letzten Jahren ist außerhalb der UdSSR viel Mühe und Sorgfalt darauf verwandt worden, aus solchen kleinen Hinweisen biographische Zusammenstellungen herauszugeben. Nach den Arbeiten von Boris Meissner erschienen letztes Jahr gleich zwei biographische Nachschlagewerke über die UdSSR. Das Institut zum Studium der UdSSR in München gab in englischer Sprache das Biographic Directory of the USSR heraus (782 Seiten, Scarecrow Press, New York 1958); im gleichen Jahr erschien das Sowjetbuch (Herausgeber Prof. Dr. Hans Koch, unter Mitwirkung von Dr. Adamczyk, Dr. Hönlinger, Erik von Kaull und Dr. Neubauer, 684 Seiten, Deutscher Industrie-Verlag Köln). Kochs Werk brachte neben einer Darstellung der wichtigsten Lebensbereiche auch 2000 Biographien sowjetischer Funktionäre, Wissenschaftler und Künstler.

Aus dieser Zusammenstellung ist nun das neue, viel ausführlichere Buch 5000 Sowjetköpfe entstanden. Eine systematische Abteilung enthält eine genaue Übersicht über alle Führungsgremien der UdSSR, Dabei stehen an erster Stelle die Kommunistische Partei, der Kommunistische Jugendverband, die Gewerkschaften und die „Massenorganisationen“. Anschließend folgt die personelle Zusammensetzung der Staatsorgane, der Justiz, der Streitkräfte, des diplomatischen Dienstes, der wissenschaftlichen Institutionen und kulturellen Organisationen sowie der Kirche und der Religionsgemeinschaften der UdSSR.

Die biographische Abteilung, die über 700 Seiten ausmacht, ist die ausführlichste, die es bisher überhaupt in der Welt gibt. Sie enthält 5000 Namen mit kurzen biographischen Angaben. Alle Änderungen bis Ende 1958 sind dabei berücksichtigt worden.

Kleine Mängel dieses Handbuches – etwa das Fehlen des bekannten, von Stalin angegriffenen und nach dem XX. Parteitag erneut kritisierten Sowjet-Ökonomen Leonid Jaroschenko – können sicher in einer neuen Auflage beseitigt werden. Es wäre überhaupt zu wünschen, daß es nicht bei dem jetzigen Buch bleibt, sondern daß es in regelmäßigen Neuauflagen auf den jeweils neuesten Stand der Dinge gebracht wird.

Wolfgang Leonhard

„5000 Sowjetköpfe“ – Gliederung und Gesicht eines Führungskollektivs, herausgegeben von Professor Dr. Dr. Hans Koch, unter Mitwirkung von Otto Böß und Günter Schäfer. Deutscher Industrieverlag GmbH., Köln 1959, 862 S., 25,50 DM.