Für das Geschäftsjahr 1951 haben die Aktionäre der Vereinigte Jute-Spinnereien und Webereien AG, Hamburg, zuletzt eine Dividende erhalten (6 v. H.), danach gingen sie leer aus. Auch für 1958 werden sie keine Ausschüttung bekommen – und für 1959 ebenfalls nicht. Das steht heute schon fest. Also eine überaus traurige Bilanz. Nun könnte man sagen: Selbst Schuld, wer so lange an Papieren dieser Gesellschaft festgehalten hat. Andererseits lassen sich nur schwer Verkaufsentschlüsse fassen, wenn der Aktienkurs zwischen 60 und 90 v. H. hin- und herpendelt. Hinzu kommt, daß die Verwaltung in nahezu jeder Hauptversammlung den Ernst der Lage in der Jute-Industrie wohl durchblicken ließ, aber bei den Aktionären immer wieder die Hoffnung erweckte, daß das Unternehmen die Durststrecke erfolgreich überwinden würde.

Wenn man den recht verspätet vorgelegten Abschluß für 1958 ansieht und darin von den Sanierungsmaßnahmen liest, die im vergangenen Jahr und in 1959 ergriffen worden sind, dann fragt man sich: Warum nicht früher? Offensichtlich ist es dem Vorstand nicht leichtgefallen, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß die Zeit der Jute-Produktion in der Bundesrepublik mit der Liberalisierung zum größten Teil vorüber ist. Eine gewisse Entlastung können Sonderfertigungen bringen, aber mehr auch nicht. Ein Geschäft können sie nicht sein, jedenfalls im Rahmen des großen Apparates nicht, über den die Vereinigte Jute nun einmal verfügt und den sie jetzt mit Erfolg zu verkleinern versucht. Man mag wohl einwenden, daß man immer schlauer ist, wenn man aus dem Rathaus herauskommt, als wenn man hineingeht. Aber wir erinnern uns sehr gut, daß einige freie Aktionäre schon vor Jahren das Problem der Produktionseinschränkung, ja sogar das der Liquidation angeschnitten haben. Es gab also schon Leute, die die Zeichen der Zeit ahnten.

Im Geschäftsjahr 1958 wurde das Werk in Hamburg-Billstedt und in Mannheim stillgelegt. Das verursachte Kosten von rund 1,8 Mill. DM. Sie werden sich in 1959 noch vergrößern, aber dafür sind entsprechende Rückstellungen vorgenommen worden. Grundstücke und Gebäude von Billstedt wurden veräußert, aus dem Buchgewinn läßt sich der in 1958 entstandene Verlust von zusammen 2,5 Mill. DM (das sind mehr als 30 v. H. des Aktienkapitals von 8 Mill. DM) decken. Mit Nachdruck ist man im Jahre 1958 darangegangen, den Schwerpunkt der Fertigung künftig auf die Textilproduktion zu legen. Auf Nicht-Jute-Erzeugnisse entfielen in 1958 bereits mehr als ein Drittel des Umsatzes. Nun ist allerdingt die Textilerzeugung kein Gebiet, auf dem sich heutzutage „Seide spinnen läßt“. Die Rentabilität hängt hier davon ab, inwieweit der Absatz von heimischen Textilerzeugnissen durch die Liberalisierung und durch die fortschreitende Zollsenkung beeinträchtigt wird. Immerhin hofft der Vorstand mit seiner Umstellung zu erreichen, in absehbarer Zeit den durch die Stillegungen eingetretenen Umsatzverlust ausgleichen zu können. In den ersten acht Monaten dieses Jahres war die Beschäftigung gut, für den Rest des Jahres sind ausreichend Aufträge vorhanden. Dennoch kann man nur mit einem ausgeglichenen Ergebnis rechnen. Für 1960 eine Prognose zu geben, ist noch zu früh, aber die Chancen, daß die Opfer der Umstellung allmählich Früchte zu tragen beginnen, sind doch realer geworden als in den vergangenen Jahren. Dazu wird sicherlich auch der gestraffte Vorstand (von 10 auf 3 Mitglieder reduziert) beitragen. K. W.