Rasender Verkehr im Schneckentempo (II) – Volle Straßen, leere Säckel – Eine Verkehrsreportage von Heinz Stuckmann

Wie fließt der Verkehr in unseren Städten? Fließt er überhaupt noch? Das waren die Fragen, mit denen wir die erste Folge unserer Verkehrsreportage begannen. – Unser Reporter Heinz Stuckmann hat eine Anzahl Städte besucht und mit den Verkehrsexperten gesprochen. Daraus ergab sich die heikle Frage: „Werden wir 1967 unsere Städte noch mit dem Auto befahren können?“ Denn 1967 wird es dreimal soviel Fahrzeuge geben wie heute.

Wenn ich die verantwortlichen Männer in den Städten fragte, ob es denn keine aussichtsreichen Lösungen gebe, rieben sie meist Daumen und Zeigefinger aneinander: Geldfrage! Eine Stadt will nun beweisen, daß das Verkehrsproblem nicht nur eine Geldfrage ist: Trier.

Die Verkehrsverhältnisse in Trier unterscheiden sich keineswegs von anderen Städten gleicher Größe (rund 100 000 Einwohner einschließlich starker NATO-Verbände): sie sind schlecht. Viele Leute behaupten, es sei vor Jahren noch schlechter gewesen.

Heute braucht man jedenfalls rund drei Minuten, um quer durch den Stadtkern zu fahren (Kaiserstraße, Hauptmarkt, Porta Nigra = 1200 m). Das entspricht einem Durchschnitt von 24 km/st. In der umgekehrten Richtung kam ich nur auf 20 Kilometer, weil die Straßen da noch enger sind. Und zur Hauptverkehrszeit...

Die Stadtväter haben nun Dr.-Ing. Gerd Albers mit der Lösung des Problems beauftragt, der sie zusammen mit dem Verkehrs- und Städteplaner Dr. Hans Bernhard Reichow erarbeitete. Die Aufgabe ist nicht einfach und kann – wie überall – nicht allein von der verkehrstechnischen Seite betrachtet werden. Die Stadt ist reich an wundervollen Baudenkmälern von der römischen Zeit bis in die jüngste Vergangenheit. Landschaftlich sehr reizvoll in das Tal der Mosel eingebettet, ist Trier eine Stadt des Tourismus.

Das alte Stadtbild gilt es zu erhalten. Man darf das Verkehrsproblem also weder mit großen Durchbrüchen noch mit Hochstraßen lösen. Trier hat als Bezirkshauptstadt eine regionale Bedeutung. Seit 1900 hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt. Der Verkehr stieg in den letzten sechzig Jahren um das Fünffache. Die Stadt entwickelte sich zu einem beachtlichen Handels- und Kaufzentrum. Viele Banken, Versicherungen und Behörden haben hier ihren Sitz. Das soll nicht nur erhalten, sondern noch gefördert werden.