DK-Neustadt

„Es ist alles relativ“, sagte der Stichling und sah neidlos zu, wie der Hecht das Rotauge fraß.

Ein Kaufmann fuhr mit seinem Wagen zu schnell und wurde gestellt. Und kam vors Amtsgericht. Und bekam eine Geldstrafe von siebzig Mark.

Das fand er zu hoch. Und in der Tat war die Strafe aus ganz besonderen Gründen erhöht worden.Bei Geldstrafen spielt es eine Rolle, wieviel Geld der Bestrafte hat.

„Dieser Kaufmann“, so argumentierte der Amtsrichter, „hat Geld. Ich erkenne es daran, daß er erstens einen Opel-Caravan fährt und zweitens zu seiner Verteidigung einen Anwalt bestellt hat.“

Nun hatte der Kaufmann ja wirklich nicht nur den Opel-Caravan, sondern auch den Anwalt. Und dieser Anwalt wird ihn auf den Gedanken gebracht haben, das Amtsgericht hatte noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Das letzte Wort sprach erst das Oberlandesgericht in Neustadt an der Weinstraße, eine Instanz, die meistens größere Fische behandelt als schlichte Überschreitungen der Geschwindigkeit. In ihrer Sicht sind kleine Fische anscheinend kleiner und Kaufleute nicht so leicht vermögend, wie es das Amtsgericht meint. So stellte das Oberlandesgericht fest:

„Die für die Strafzumessung getroffenen Feststellungen, daß ein Kaufmann, der zu beruflichen Zwecken einen Opel-Caravan fährt, und daß ein Angeklagter, der zu seiner Verteidigung einen Rechtsanwalt. bestellt, deswegen vermögende Leute seien, beruhen auf einem Denkfehler.“