Mario Lanza, ein Amerikaner, der eigentlich Alfredo Cocozza hieß und aus einer italienischen Familie stammte, besaß eine der schönsten Stimmen der Welt. Er arbeitete als Chauffeur und Klaviertransporteur bis zum Augenblick, da er den Dirigenten Koussevitzky dadurch überraschte, daß er aus voller Kehle sang. Diese Art von Entdeckungen sind nicht allzu selten; manchmal führen sie zu nichts.

Bei Mario Lanza waren die körperlichen Voraussetzungen in hohem Maße, die musikalischen Talente in ausreichender Weise vorhanden. fehlte ihm indes an künstlerischer Disziplin und an Geschmack.

Man weiß von vielen Sängern, die keine Gelegenheit hatten, sich in ihrer Jugend ein musikalisches Bildungsgut anzueignen. Und doch führte sie die andauernde Beschäftigung mit der Musik dazu, daß sie gleichsam unversehens das Schlechtere gegen das Bessere eintauschten: Von der „Schnulze“ zur Arie, vom Schlager zum Lied. Dem Sänger Lanza jedoch fehlte sogar das Talent, Geschmack zu entwickeln.

Er imitierte Carusos Schluchzer, aber hat vom Geist dieses großen Sängers (den er im Film darstellte) keinen Hauch verspürt. Er trank und aß hemmungslos, litt an Größenwahn und strapazierte sich bei luxuriösem Leben, das er durch seine Millioneneinnahmen bei Schallplattenfirmen leicht finanzieren konnte. Er starb in Rom, 38 Jahre alt. Ein früher Tod? Ein vorzeitiger Ruin. M-M