Max und Moritz oder die gestörte Vorstellung im St. Pauli-Theater

DK.-Hamburg

Vor der Anklagebank im Zimmer 201b des Strafjustizgebäudes stellen verlegen lächelnd zwei junge Männer in den Zwanzigern, stehen da wie Max und Moritz.

„Was Sie gemacht haben“, sagt der Richter, „war natürlich nicht ganz richtig. Das sehen Sie ein. Sie sind beide noch unbestraft, und ich denke mir, Sie möchten Ihren Strafregisterauszug auch gern sauber erhalten.“

Die beiden nicken dumpf und geben sich Mühe, auszusehen, als wüßten sie kaum vom Hörensagen, was Unfug ist. Eher erwecken schon die Sechzehnjährigen, die auf der Zuschauerbank Spalier sitzen, den Eindruck, als wüßten sie es. Sie sind ganz Ohr und wollen etwas erleben. Begreiflich, daß ihr munteres Feixen sich eintrübt, als der Richter sagt: „Wir wollen hier nicht weiter erörtern, was sich zugetragen hat. Es gibt eine Möglichkeit, Ihren Strafregisterauszug sauber zu erhalten das wäre, wenn wir die Sache einstellen könnten. Wären Sie denn bereit, die Kosten zu tragen?“

Der kleinere, stabil wirkende Angeklagte nicht entschlossen, der – dünne, lange Jüngere muß erst einmal schlucken, so daß sein Adamsapfel lebhaft, hüpft, und dann nickt auch er. Seine Beklommenheit ist allerdings verständlich. Denn „Kosten“ – welch ein ungewisser Begriff!

Der Verteidiger des Stabileren erhebt sich: „Ich möchte für meinen Mandanten zunächst eine Erklärung abgeben. Dem von mir Vertretenen tut es außerordentlich leid, daß er es getan hat.“