Die Insel Rhodos scheint prädestiniert für Wunder: einst gehörte der vielbestaunte Koloß von Rhodos zu den sieben Weltwundern. Was sich dort am Wochenende ereignete, gehört nicht ganz in diese Kategorie, war aber doch bewundernswert genug: Die beiden Führer der griechischen Zyprioten, Rebellengeneral Grivas und Erzbischof Makarios einigten sich bei ihren Gesprächen auf der Insel Rhodos über die zukünftige Politik auf Zypern. Noch zwei Wochen zuvor hatte der Erzbischof eine Unterhaltung mit dem General strikt abgelehnt und Grivas gefährlicher politischer Phantasterei beschuldigt. Der ehemalige EDKA-Chef seinerseits hatte dem Kirchenfürsten vorgeworfen, er mache den Engländern und den Türken zu große Zugeständnisse und verrate die Interessen der Zyprioten. Ja, es war sogar davon die Rede, Grivas sei in ein Komplott gegen Makarios verwickelt.

Im Kommuniqué der Gespräche von Rhodos hieß es nun: „Einheit, Brüderlichkeit und herzliche Zusammenarbeit seien für die künftige Entwicklung auf der Insel Voraussetzung.“ Die „Mißverständnisse“ zwischen Makarios und Grivas seien geklärt und der General billige die Politik des Erzbischofs. Makarios bescheinigte Grivas, daß der ehemalige Rebellenchef „mehr als alle anderen das Recht hat, sich für die Zukunft Zyperns zu interessieren“. Auch seiner Rückkehr auf die Insel stehe nach der Unabhängigkeitsproklamation nichts mehr im Wege.

Grivas unterstützt öffentlich die Politik seines Rivalen Makarios – es scheint so, als ob der Erzbischof ein politisches Wunder an dem General vollbracht hätte. Der alte Haudegen freilich scheint dies erst bemerkt zu haben, als ihn schon der Glorienschein politischer Weisheit umstrahlte. Zunächst wird ihm, falls er seine Glaubwürdigkeit erhalten will, nichts anderes übrigbleiben, als gute Miene zum Wunder zu machen. Z.