demokratisches modell

Kurt Marti:

stimme stimme

stimme stimme

ja nein

stimm stimm

damit es stimmt denn du bestimmst

demokratisches modell

stimmend stimmt ihr

ja und nein

überein

mit dem kopf

in den wänden des windes

steine schlagen

demokratisches modell

in tal

wer sind wir

wenn abends die berge brennen

und morgen

das land im feuer verloht

Auch Republiken, meint der Aargauer Dichter und Pfarrer Kurt Marti, haben ihre Haken. Diese, damit niemand an ihnen hängen bleibe, aufzufinden und kenntlich zu machen, ist die Absicht seiner "Republikanischen Gedichte" (Die Quadrat-Bücher, Band 2; Tschudy-Verlag, St. Gallen; 44 S., 6 Linolschnitte, 8,80 DM). Eine alte und fast ausgestorbene literarische Form wandelt Marti damit modern ab: die des politischen Spruches. Er liebt das Jonglieren mit Worten, Wortfetzen und Zeilen. Dabei entstehen bisweilen ebenso skurrile wie freche "Poetogramme". Die apokalyptische Stimmung einiger Gedichte am Ende des kleinen Bandes aber zeigt, daß Satire an der "verwalteten Welt" nicht die einzige Form ist, die Marti beherrscht. Unsere beiden Gedichte stellen die Extreme dar, zwischen denen er sich poetisch bewegt. DZ