Als der Herr Dr. h. c. Ernst Rowohlt noch Lehrling in Leipzig war, hat ihn gelegentlich, wie er selbst erzählt, der Gedanke geplagt, welch hohe Ehrungen ihm, dem aufstrebenden Talent aus Bremen, wohl noch bevorstünden in Leipzig, der alten Buchhändlerstadt. Hohe Ehrungen! Er sah damals den Titel „Kommerzienrat“ voraus.

Mehr als fünfzig Jahre sind das her; ein anderes Leipzig ist seitdem erstanden, und anstatt vom Kommerzienrat ist vom Ehrendoktor Rowohlt die Rede. Immerhin Leipzig. Im Alter gewinnen für die Phantasie Jugendmelodien vollen Klang, auch wenn die Töne falsch geblasen werden.

Uns verblüfft nicht so sehr die Tatsache, daß Ernst Rowohlt, berühmter deutscher Verleger aus Hamburg, zur 550-Jahr-Feier der Leipziger Universität die Ehrendoktor-Würde entgegennahm.

Denn für hohe Ehrungen hat er immer Verständnis gehabt, egal, woher sie kamen. Er nahm ja auch schon das Bundesverdienstkreuz entgegen und hätte gern auch den Ehrendoktorhut der Hamburger Universität, der vor ein paar Jahren dicht über seinem Haupt zu schweben schien, mit Freuden und Humor aufgesetzt. Ob Hamburg oder Leipzig – Hut ist Hut.

Was uns verblüfft, ist vielmehr, daß auch die Sowjetdeutschen Humor zu haben scheinen: Rowohlts Erzeugnisse kaufen sie zwar nicht, aber sie ehrten, wie es heißt, den alten Herrn, der sich selbst „Panchaotiker“ nennt, für „sein persönliches Verhalten“ und dafür, daß er „fortschrittliche Literatur verbreitet“ habe, eine Literatur vornehmlich amerikanischen Ursprungs, die in der Sowjetzone nicht zu haben ist. Es muß sich also wohl um einen Doktor humoris causa handeln ... M-M