St., Köln

Ich will künftig nach den Gesetzen leben“, sagte am Montag „Deutschlands größter Viehdieb“, Albert Roden, vor der Großen Strafkammer in Düsseldorf. Auch sein Mithelfer Ewald Mischker faßte sich kurz: „Ich will büßen und bitte um eine gerechte Strafe.“ Aber es war zu diesem Zeitpunkt jedem klar, daß der eine einige Jahre nach sehr strengen, nämlich Zuchthausgesetzen, leben mußte, und daß auch die gerechte Strafe des anderen eine harte Buße sein würde.

Der Metzger Albert Roden hatte zusammen mit Ewald Mischker in den Jahren von 1952 bis 1958 rund 400 Rinder im Werte von rund 375 000 DM von den bundesdeutschen Weiden gestohlen (siehe auch DIE ZEIT Nr. 41 vom 9. Oktober 1959). Auch das Gericht war erstaunt über die Geschicklichkeit, die Reden dabei entwickelt hatte: Er war in der Lage gewesen, in weniger als 30 Minuten ein Rind zu schlachten, zu zerlegen und an die Autobahn oder, die Landstraße zu tragen, wo Mischker die Viertel mit einem Wagen – zuletzt einem Mercedes 300 – abholte. Die Kriminalpolizei, die sich sehr für diese neue Spielart von Großverbrechen interessierte, fuhr mit Roden sämtliche Weiden ab und ließ sich erklären, wie er gearbeitet hatte.

Das Spiel ist aus. Am 12. Oktober 1959 verkündete Landesgerichtsdirektor Keim die Urteile:

Sechseinhalb Jahre Zuchthaus, vier Jahre. Ehrverlust und fünf Jahre Berufsverbot für den Metzgermeister Albert Roden wegen fortgesetzt ten Viehdiebstahls in 242 Fällen in Tateinheit mit fortgesetzten Verstößen gegen das Fleischbeschaugesetz; fünf Jahre Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und Führerscheinentzug auf Lebenszeit für seinen Komplicen Ewald Mischker wegen Beihilfe zu diesen Straftaten in 212 Fällen.

Ein Jahr Gefängnis erhielt Frau Anna Roden wegen fortgesetzter Hehlerei; acht Monate mit Bewährungsfrist Jürgen Roden wegen Beihilfe zum Diebstahl in zwei Fällen und fortgesetzter Hehlerei.