Acht Bücher von mehr als zwanzigtausend haben Aussichten auf einen großen Erfolg

Von Rudolf Walter Leonhardt

Es ist eben einfach nicht möglich, die Wahrheit zu sagen. Keiner kann es. Keiner tut es.“

Der solches redete, sprach nicht von Politik, sondern von Literatur, sprach nicht von Politikern, sondern von Autoren und von Rezensenten. Der Ausspruch fiel bei einer jener Gesellschaften, die man wegen ihres angelsächsischen Gepflogenheiten nachgebildeten Stiles auch hierzulande parties nennt. Der Sprecher war selber einst ein ebenso geschätzter wie gefürchteter Kritiker und ist heute Lektor eines sehr angesehenen deutschen Verlags (Kommentar des Verlagsleiters: „Die bissigsten Kritiker engagieren wir gerne als Lektoren“). Und was er andeutete, war zweifellos dies: Die Interessen von Autoren, Kritikern, Verlegern, von Redakteuren und Abteilungsleitern bei Presse oder Funk sind derart miteinander und durcheinander verfilzt, daß jeder, der dazugehört, sich hüten wird, mutwillig zu zerstören, was auch ihn warm und geborgen hält...

In der Tat: All diese Leute kennen einander, wissen viel voneinander und sind oft miteinander vereint: zum Beispiel alljährlich einmal auf der Buchmesse in Frankfurt, die nun zum elften Male die bisher größte,, internationalste, erfolgreichste ist: 70 000 neue Titel, 1600 Verlage aus 32 Nationen, 14 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche (für den gewissenhaften Pilger von Stand zu Stand ein mindestens sechsstündiger und erschöpfender Spaziergang).

Dekorative Einfälle gesucht

Freilich weiß der kundige Frankfurter Messebeobachter, daß die Bücher noch lange nicht in den Himmel wachsen. Verglichen mit anderen Messen, wird wenig Aufwand getrieben. Taxis sammeln sich nicht so zahlreich wie bei anderen Gelegenheiten am Ausgang der Hallen, und die auf Messe-Aussteller oder -Besucher spezialisierten Damen haben sich in lukrativere Stadtviertel zurückgezogen. Auf der großzügig angelegten Zufahrtstraße von der Autobahn her begrüßen den Ankömmling nicht etwa Namen wie „Fischer“, „Piper“, „Suhrkamp“, „Rowohlt“ – sondern es werden noch immer Zündkerzen und Reifen (schlauchlos) auf Schilderbäumen vom Werbewald der vorausgegangenen Automobil-Ausstellung empfohlen.