Es gibt auf der ganzen Welt nichts Vornehmeres als die großen französischen Weine. Ihr Hochadel stammt aus dem Medoc: Margaux, Saint-Julien, Saint-Estephe Paulliac und Moulis – Weine von unvergleichlicher Eleganz und Farbe.“

Mit diesen Worten bereitete man uns vor, als wir zur Weinlese 1959 nach Bordeaux fuhren. Als Gast von Monsieur Alexis Lichine, Besitzer des Château Prieure-Lichine et Lascombes, verbrachten wir einige Tage im Medoc und sahen, wie der große Wein eingebracht wurde – eine Ernte, die nach dem Urteil der Fachleute hinsichtlich Quantität und Qualität kaum ihresgleichen hatte.

Weil es ein so guter Jahrgang ist, könnten – so stand in einer jener geheimnisvollen französischen Wirtschaftsanalysen zu lesen – die Weinpreise natürlich auch nicht heruntergehen. In den vorhergehenden Jahren – 1957 und 1958 – war die Ernte dürftig gewesen. Drum stiegen die Preise. Sehr verständlich. Wieso aber steigen heuer die Preise bei einer so reichen Ernte? Ein Weingutsbesitzer antwortete verstimmt über diesen fauxpas: „Weil es ein guter Jahrgang ist.“

Die Tour mit Monsieur Lichine fing auf dessen eigenem Besitz an. Wir begannen unverzüglich mit den Weinproben – um zu üben, denn M. Lichine war sehr darauf bedacht, daß wir ihm keine Schande machten.

Der Wein kam. Ein köstlicher Tropfen. Wir tranken das ganze Glas aus. „Nein, nein, nein“, rief Lichine, „nicht schlucken! Sie müssen den Wein im Mund kreisen lassen...“

„Im Uhrzeigersinn oder andersherum?“

„Im Uhrzeigersinn. Andersherum nur bei Burgunder. Und dann ausspucken!“