Trier – so berichtete unser Reporter Heinz Stuckmann in der vorigen Ausgabe der ZEIT – beweist mit seiner Planung, daß man dem Verkehrs-Chaos steuern kann. Hinter der Trierer Lösung steckt ein System: Das sogenannte organische Verkehrssystem des Hamburger Städteplaners Dr. Hans Bernhard Reichow. (Um eine mißverständliche Darstellung in unserem vorhergehenden Bericht zu klären: Trier hatte 1954 allein Reichow mit der Wiederaufbauplanung der Stadt beauftragt, der seinen früheren Mitarbeiter Dr. Albers hinzuzog und die Aufgabe löste, nachdem fünf andere Aufbaupläne sich als unzureichend erwiesen.) Mit Reichows System werden wir noch 1967 – bei dreimal soviel Wagen wie heute – sinnvoll Auto fahren können und brauchen nicht aufs Moped umzusteigen.

Seit einem halben Jahrhundert haben wir nun Autos. Doch immer noch quälen sie sich durch Straßen, die einst für Reiter, Sänften, Esel- und Pferdegespanne gebaut wurden. Wir bessern und flicken an einem vor Jahrtausenden entstandenen Stadtstraßennetz ziellos herum, weil uns die Vorstellung eines dem Menschen und dem Auto gerecht werdenden Straßensytems und seines optimalen Knotenpunkts fehlen.“ So beginnt die Einleitung des neuesten Werkes über Städteplanung von Dr. Hans Bernhard Reichow („Die autogerechte Stadt – Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos“, Verlag Otto Maier, Ravensburg).

In Trier war das Problem, die älteste Stadt Deutschlands mit einem wahrhaft mittelalterlichen Straßennetz dem modernen Verkehr anzupassen. Es geht. Es geht deshalb, weil das organische Verkehrssystem ganz einfach nach den Regeln des menschlichen Verhaltens und Lebens ausgerichtet ist. „Denn solange unsere Autos von Menschen gelenkt werden ..., bestimmt deren natürliches Verhalten und Vermögen die Verkehrsplanung, -Ordnung und -gestaltung“ – sagt Reichow.

Die Lösung des Problems soll also das organische Verkehrssystem bringen,

das mit seinem Minimum an Knotenpunkten die Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Leistung steigert, jedoch Kosten und Gesundheitsschädigungen durch Abgase und Lärm mindert,

das völlig kreuzungsfrei ist und mit nur einem Knotenpunkt – der Einmündung statt der Kreuzung nach dem Rastersystem – die „Todesfalle Kreuzung“ beseitigt,

das sich von innen heraus verästelt – wie Blätter und Bäume – und damit die wirtschaftliche Erschließung gewährleistet,