G. S. Moskau

Wie ernst es Nikita Chruschtschow mit dem friedchen Wettbewerb ist, demonstrierte er kürzlich, als er, ohne zu fackeln, den langjährigen Chef der Staatlichen Sowjetischen Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot, Marschall Shigarew, samt seinem Stellvertreter wegen – Unfähigkeit in Pension schickte. Sie seien dafür verantwortlich, erklärte der Sowjetführer, daß die Aeroflot immer noch nicht erfolgreich mit ausländischen Luftverkehrsgesellschaften konkurrieren könne.

Die ausländischen Touristen in Moskau haben für diese Maßnahme sicher Verständnis. Die Warteräume auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo sind voll von verärgerten Reisenden, die stundenlang warten müssen, bis ihre Maschine startet. Als im Sommer dieses Jahres der Strom der ausländischen Touristen nach Moskau einsetzte, brach die Organisation zusammen.

Trotz dieser Pannen ist die Aeroflot schon heute die größte Luftverkehrsgesellschaft der Welt. Sie verfügt über eine Flotte von 1600 zweimotorigen Propellerflugzeugen, dazu kommen noch rund 200 Düsen- und Turboprop-Maschinen. Sie fliegt mehr ab 20 Hauptstädte in Europa und Asien an. Jetzt richten die Sowjets ihren Blick auch auf New York.

Der Luftverkehr in der Sowjetunion ist in den letzten Jahren erstaunlich gewachsen. Im Jahre 1958 beförderte die Aeroflot 9 Millionen Passagiere, 1959 werden es voraussichtlich 15 Millionen sein und 1965 – falls der Plan eingehalten wird – 45 Millionen (ebensoviel wie alle amerikanischen Luftverkehrsgesellschaften zusammen im Jahre 1958). Schon ist der Flughafen Wnukowo zu klein geworden. Ein neuer Zivilflugplatz wird in der Nähe von Moskau gebaut.

Das westliche Vorbild hat inzwischen Wunder gewirkt: Die Fahrpläne und Streckenkarten werden nicht mehr wie militärische Geheimnisse behandelt. Die Stewardessen wurden in schicke Uniformen gesteckt, und bei längeren Flügen werden sogar warme Mahlzeiten gereicht. Und schon plant die Aeroflot, getreu dem westlichen Vorbild, einen neuen Schlager Ferienflüge zu ermäßigten Preisen.