R. S., Bonn, im Oktober

Die Deutsche Partei (DP), die vorwiegend in den konservativen Kreisen Niedersachsens wurzelt, steht vor einer schweren Entscheidung; Soll sie in der CDU aufgehen oder kann sie auch weiterhin wenigstens ihre bisherige engbegrenzte politische Eigenständigkeit bewahren? Seit zehn Jahren steht die DP in der Bundespolitik an der Seite der CDU. Jahrelang konnte sie mit deren Hilfe den Ministerpräsidenten von Niedersachsen stellen. Nach der letzten Landtagswahl in Niedersachsen beging die CDU taktische Ungeschicklichkeiten, die der SPD-Ministerpräsident Kopf mit Erfolg ausnutzte. Er manövrierte nämlich die beiden bürgerlichen Parteien in die Opposition. Diese Schlappe schuf im iberspielten Lager viel Verstimmung und den brennenden Wunsch nach Revanche,

Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU, Cillien, hat sich ausgerechnet, daß eine vereinigte CDU und DP bei der Landtagswahl viel besser abgeschnitten hätte. Mit Nachdruck gibt er seit einiger Zeit zu verstehen, daß die CDU der DP bei der Bundestagswahl von 1961 keine Wahlhilfe mehr leisten werde. Das heißt, sie würde ihr nicht mehr, wie bisher, freiwillig drei Wahlkreise überlassen. Damit aber würde die DP, die voraussichtlich nicht in der Lage ist, die Fünf-Prozent-Klausel zu überspringen, keinen Vertreter mehr in den Bundestag entsenden können.

Die DP begründet die Notwendigkeit ihrer Existenz als konservative Rechtspartei unter anderem damit, daß sie gewissen rechtsradikalen Gruppen Wähler wegnehme und damit der Demokratie einen guten Dienst leiste. Es hat aber den Anschein, daß die CDU der langen Symbiose mit der kleinen und ihr manchmal doch nicht bedingungslos gehorsamen Partnerin überdrüssig ist. Cillien weiß, welche Trümpfe er in der Hand hat. Daß er bereit ist, sie auf den Verhandlungstisch zu legen, läßt vermuten, daß er vom Palais Schaumburg gedeckt wird.

Am Dienstag beriet das Direktorium der DP linge in Godesberg über das mehr drängende als lockende Angebot der CDU. Man kam zu keinem Ergebnis. Noch gibt es heftige Widerstände gegen die Fusionierung. Die Entscheidung soll auf breitester Parteiebene fallen. Aber auch dorthin reicht der sehr viel längere Hebel der CDU.