Für mich wird in Zukunft manches nicht leichter, sondern schwerer werden“, sagte der Bremer Senatspräsident Kaisen nach dem großen Wahlsieg seiner Partei in den Bürgerschaftswahlen. Rund 55 Prozent der Stimmen und 61 der 100 Mandate hat die SPD gewonnen. Es ist ein Sieg, der den Koalitionsgegnern neuen Auftrieb geben wird, ein Sieg, der Kaisen, dem Wortführer der großen Koalition, die Vermittlerrolle erschwert.

Zweifellos kann man nach der Bremer Wahl die Frage stellen, ob es bei so indeutigem SPD-Übergewicht noch sinnvoll ist, eine Koalition fortzusetzen. Ist es nicht ein gesundes demokratisches Prinzip, daß eine Partei, die eine klare Mehrheit hat, allein verantwortlich regiert? Aber: trifft diese Überlegung auch für Bremen zu?

Bremen ist mit dem Bündnis zwischen Arbeitern und Kaufleuten nicht schlecht gefahren. Die Fachleute der bürgerlichen Partei haben in der Regierung gute Arbeit geleistet; die SPD ist kaum in der Lage, sie zu ersetzen. In der Hansestadt war die große Koalition nicht ein Notbehelf, sondern die beste Lösung. Außerdem stand diese Koalition unter Führung von Kaisen, einem Mann, der weit über seine Partei hinaus Achtung und Ansehen genießt. Wo hat es schon einen Politiker gegeben, der, wie Kaisen, den unterlegenen Parteien nach der Wahl bescheinigte, sie hätten auf Grund ihrer Leistungen dieses Ergebnis nicht verdient?

Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß die alten Koalitionspartner, SPD, SDU und FDP, grundsätzlich bereit sind, ihr Bündnis zu erneuern. Aber es wird harter und zäher Verhandlungen bedürfen, um zu einem für alle Partner annehmbaren Programm zu kommen. Die SPD wäre dabeit gut beraten, wenn sie Kaisen folgen würde, denn ihm verdankt sie ja schließlich diesen großen Sieg. R. Z.