Festverzinsliche Werte werden heute nicht mehr so oft wie früher beim Publikum, sondern in erhöhtem Umfang bei Kreditinstituten untergebracht. Ihr Anteil am gesamten Wertpapierabsatz, der 1957 noch weniger als 25 v. H. betrug, ist 1958 auf rund 57 v. H. gestiegen. Sicher haben die Geschäftsbanken im wesentlichen nur Spareinlagen in Wertpapieren angelegt. Nach den Zwischenbilanzen der Kreditinstitute standen im August Spareinlagen im Betrag von 41 Mrd. DM Wertpapiere von nur 17 Mrd. DM gegenüber. Diese Zahlen bestätigen, daß die Banken für die Sparer in die Wertpapieranlage gegangen sind.

Durch die Zwischenschaltung der Banken hat sich der Charakter der Wertpapieranlage geändert. Ihr Liquiditätsgrad ist höher geworden. Die bei den Kreditinstituten liegenden Werte haben weitgehend den Charakter einer Geldmarktanlage angenommen. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß mit der Entwicklung der letzten Jahrzehnte Sparinstitute und Kreditbanken einander immer ähnlicher geworden sind. Sie sind heute in der Regel zugleich Sparkassen und Geschäftsbanken. Trotzdem müssen sie die Aktivseite ihrer Bilanzen als eine Einheit betrachten – und zwar nach den Grundsätzen, die für Geldinstitute Geltung haben und die anders sind als die reiner Kapitalsammelstellen. Diesen ist es möglich, einen angemessenen Teil der Mittel. in Wertpapieren anzulegen und diese Papiere bis zu ihrer Einlösung zu behalten. Solange die Papiere eine Verzinsung abwerfen, welche die Zinszahlung an die Kapitalgeber deckt, ist alles gut. Kursschwankungen können hier aus bilanzoptischen Gründen unangenehm sein, führen aber nicht zu echten Verlusten. Am Ende der Laufzeit werden die Papiere in jedem Fall zum nominellen Kurs eingelöst.

Anders bei Geldinstituten. Hier verlangt die einem ständigen Wandel unterliegende Zinsbilanz (d. h. das Gesamtzinsaufkommen zur Gesamtzinsbelastung) eine laufende Anpassung der Aktivzinsen an die Erfordernisse der Passivseite. Darüber hinaus vermindern bei einem Geldinstitut Kursrückschläge die Liquidität des Gesamtvermögens. Unter Umständen müssen Wertpapiere an einem Tag, welcher der Bank unangenehm ist, zu Verlusten veräußert werden.

Darauf kann es kein Gelddisponent ankommen lassen. Er muß daher laufend seine Gesamtaktiva umschichten mit dem Ziele, zu einer möglichst günstigen Zinsbilanz zu kommen und trotzdem einen hohen Grad an Liquidität zu erhalten. Solange der Zinstrend nach unten wies, war die Wertpapieranlage für die Banken eine süße Frucht. Sie brachte eine Verzinsung, die bis auf weiteres nur schlechter, aber nicht besser werden konnte. Die Kurse der Festverzinslichen mußten bei fallendem Kapitalzins steigen. Daher wurde ein hoher Grad an Liquidität des Wertpapierbesitzes erreicht. Das alles mußte sich in dem Augenblick, in dem die Zinstendenz sich zu wenden drohte, andern.

Wer jetzt die Anlage von Mitteln in Rentenwerten hinausschob, gewann damit die Chance, höhere Zinsen zu bekommen. Die Nachfrage an der Börse verschwand damit; die Liquidität des Wertpapierbesitzes wurde schlechter. Es lohnte sich auch, Wertpapiere zu verkaufen, um voraussehbare Kursverluste zu vermeiden.

So sind, wenn auch nicht allgemein, die Geschäftsbanken verfahren. Nach den Zweimonatsbilanzen der Großbanken hat sich in der Zeit von Ende Juni bis Ende August 1959 allein bei der Dresdner Bank der Bestand an Festverzinslichen um 60 Mill. DM verringert, derjenige der Commerzbank wurde nicht weiter aufgestockt.

Die Erfahrungen der letzten Wochen zeigen also, in welch bedenklicher Weise sich der Charakter der Wertpapieranlage durch das Zwischenschalten der Banken geändert hat. Daran sind allerdings nicht die Banken selber, sondern das nach schlechten Erfahrungen vorsichtig gewordene Sparerpublikum schuld. Es schiebt das Kursrisiko den Banken zu. Diese geben es an die Emittenten weiter, die über die von ihnen erwartete Kurspflege den Hauptstoß der Rentenbaisse auffangen müssen. Tun sie dies nicht, dann gefährden sie ihren zukünftigen Kredit. Das bekommt heute der Bund als potentieller Anleiheschuldner am stärksten zu spüren. Ihm wird die Quittung dafür präsentiert, daß er sich in den Zurückliegenden Jahren um die Pflege seines Kredites herzlich wenig bemüht hat.