Als die Studiengesellschaft für privatrechtliche Auslandsinteressen e. V. in Bremen, ihre Jahrestagung abhielt, konnten zwei bemerkenswerte Feststellungen getroffen werden. Einmal, daß ein zu bedingungsloses Vertrauen auf die Eigentumsgarantie auch in der westlichen Welt (besonders in den USA) nach wie vor nicht gerechtfertigt erscheint, und zum Zweiten, daß Bonn es 14 Jahre nach Kriegsschluß noch immer nicht geschafft hat, die Reparationsverluste der deutschen Privatwirtschaft zu entschädigen. Gewiß, man ist sich in Bonn sehr wohl darüber klar, daß es Reparationsgeschädigte gibt, vor allem auch hier ältere Leute, die schlechter gestellt sind, als die Berechtigten im Lastenausgleich. Aber der Entschädigungskomplex schien wohl zu umfangreich, zu schwierig, um ihn endlich einmal anzufassen.

Das Bundesfinanzministerium hat es in Sachen Reparationsentschädigung vorgezogen, so etwas wie eine „Bundesabwehrkanone“ in Stellung zu bringen, um die deutsche Öffentlichkeit mit Zahlen zu beschießen, die in der Tat geeignet waren, abzuschrecken. Mit der zitierten Kanone wurden nämlich als zu entschädigende Verluste Größenordnungen von 100, ja 200 Milliarden DM unter die Leute gebracht.

Nun, die wirklichen Ansprüche liegen weit darunter, nämlich bei etwa 13 bis 14 Milliarden DM. Und rechnet man schließlich noch jene Einbußen ab, die von Kriegsverschollenen und von Bewohnern der Sowjetzone nicht angemeldet werden, so ergibt sich nach Auffassung der Studiengesellschaft eine Größenordnung für die Entschädigung, die sich geradezu wohltuend von der Bonner „Astronomie“ unterscheidet. Es wird nämlich kaum mit Ansprüchen von über 9 Mrd. gerechnet. Das aber ist ein Betrag, den Bonn nach und nach befriedigen kann. Angesichts der auf ein tragbares Maß zurückgeführten Schätzungen, ist die Entschiedenheit der Studiengesellschaft verständlich, mit der sie einen alsbaldigen Gesetzesakt zur Entschädigung endgültiger Auslandsverluste fordert.

Mit einer Entschädigung privat geleisteter Reparationen durch den Bund wird natürlich der Rechtsanspruch gegenüber jenen Staaten (darunter leider immer noch unser großer Bundesgenosse: die USA) nicht aufgegeben, die während des Krieges und danach, eigentlich im Widerspruch zu ihrer weithin verbreiteten Rechtsauffassung, frisch-fröhlich-frei den privaten deutschen Auslandsbesitz zwecks Entschädigung ihrer Verluste einkassierten. In dieser Richtung soll um keinen Deut zurückgegangen werden. W. S.