H. W. Flensburg

Als kürzlich ein Hamburger Bürger vor seinem Wochenendhaus an der dänischen Nordseeküste die Hamburger Stadtflagge setzte, Schritt die Polizei ein. Sie machte ihn höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam, daß dies nach den dänischen Flaggengesetzen nicht erlaubt sei, Der Hamburger Gast zog die Fahne wieder ein.

Wahrscheinlich wäre der Fall damit erledigt gewesen, wenn nicht einige dänische Zeitungen – zur Ehre der Gazetten unseres Nachbarlandes sei es gesagt, nicht alle! – die „Flaggenparade“ des Hamburgers zum Anlaß genommen hätten, einen Feldzug gegen die deutschen Touristen zu eröffnen. Nicht gegen den einzelnen, aber gegen die deutschen Touristen. „Sie überschwemmen das Land“, schrieben entrüstet hauptstädtische Zeitungen (und etliche Provinzblätter schrieben es nach). „Sie baden nackt, obwohl das nicht gerade gern gesehen wird.“

Die dänische Provinzzeitung „Jydske Tidende“ monierte: „Unter den dänischen Strandgästen herrscht Unzufriedenheit darüber, daß die Deutschen das Campingverbot in den Dünen und am Strand nicht respektieren, so daß dänische Gäste, die zum Meer wollen, oft durch ganze Berge deutscher Hinterlassenschaft waten müssen. Weiter ruft das besondere deutsche Steckenpferd, mächtige Sandburgen zu bauen, Irritation hervor, da die Deutschen mit solchem Ernst in diese Arbeit hineinsteigen, daß sie es anderen untersagen, sich in oder in der Nähe der Festungen aufzuhalten

Die Zeitung der deutschen Minderheit in Dänemark, der „Nordschleswiger“, zog nun gegen die dänischen Blätter vom Leder und setzte auf den groben Klotz einen groben Keil. „Das deutsche Geld will man“, schrieb die Zeitung, „aber die Deutschen nicht.“ Es gebe ja schließlich auch Dänen, die sich beim Aufenthalt in Deutschland nicht wie die Engel verhielten. Aber keinem Bundesbürger sei es deshalb eingefallen, zu sagen: „Seht ihr, die Dänen!“ Also sollten sich auch die Dänen vor bösartigen Verallgemeinerungen hüten. Die Mehrheit der deutschen Touristen benehme sich anständig, höflich, bescheiden.

Den dänischen Fremdenverkehrsvereinen kommt der Streit natürlich höchst ungelegen. Auf ihrer Jahreshauptversammlung in Sonderburg ermahnten ihre Sprecher die dänischen Landsleute, die deutschen Touristen nicht zu verärgern. Man solle höflich verfahren und sie bitten, auf die Lebensgewohnheiten in Dänemark Rücksicht zu nehmen. Über die dänische Lebensart sollen im nächsten Jahr Prospekte Auskunft geben, die an alle ausländischen Touristen verteilt werden, so daß sich an alle Reisenden, nicht nur an die Deutschen, der Appell richtet: „Gehst du nach Dänemark, so lebe dänisch!“