RH-Hamburg

In der Hamburger Kunsthalle gibt es ein zweiräumiges Oberstübchen, das durch eine schmale Holztreppe erreicht wird. Dort stellt aus, wer noch nicht unten in der Kunsthalle hängt.

Womit nicht gesagt sein soll, daß jeder, der hier ausstellt, eines Tages hinunterkommt.

Jetzt sind dort Felder eines Malers zu sehen, der 1894 geboren ist.

Hier ist das falsche Ressort, um über seine Bilder zu schreiben. Was den Chronisten erstaunt, sind seine Kommentare. Und die Tatsache, daß zu Bildern Kommentare erforderlich sind.

Da schaut ein Kunsthallenbesucher, der zwanzig Pfennige für den Eintritt bezahlt hat, ein Bild an, das „Slawischer Geiger“ heißt. Und blättert herum im Durchschlag van Getipptem, das ausliegt und „Maltechnische Daten“ heißt. Und liest da: Slawischer Geiger, 50/63 Öl, freie Gestaltung, d. h. ohne Modell und auch ohne Absicht, just einen slawischen Geiger darzustellen. Dem Verf. schälen sich alle sog. ‚Themen‘ immer erst während des Malens heraus, und das Bild wird dann allerdings auf dieses gefundene Thema hin so durchgeführt, als ob das Thema oder die Idee das erste gewesen wäre oder sogar modellhaft vor ihm (was bei keinem Bild, auch nicht den am meisten noch naturnahen und sogar fast photographisch realistischen der Fall ist).“

Da wird der Besucher der Hamburger Kunsthalle ganz tiefsinnig. Und er erinnert sich daran, daß in den Packungen, die Zauberkunststücke umschließen, immer beschwörend steht, wer das Geheimnis nun erfahren hätte, dürfe es auf keinen Fall den schnöden Zauberlaien preisgeben.