Im Apparat des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes sind während der letzten sechs Wochen wichtige Umbesetzungen bekanntgegeben worden. Die Reorganisierung hängt offenbar mit jener „Auswechslung der Funktionäre“ zusammen, die Chruschtschow auf dem 21. Parteitag angekündigt hat. Schon Ende Dezember 1958 war General Iwan Serow als Staatssicherheits-Chef der UdSSR abgelöst worden. An seine Stelle trat der frühere Komsomolführer Alexander Schelepin. Schon diese Umbesetzung erfolgte wohl im Hinblick auf die geplante Reorganisierung.

Am 2. September nun wurde A. W. Kardashew zum Staatssicherheitschef der an den Iran grenzenden Unionsrepublik Aserbeidshan Seingesetzt. Am 4. September folgte die Ernennung des Ukrainers J. F. Sawtschenko zum Staatssicherheitschef der an Rumänien grenzenden Moldauer Unionsrepublik und am 13. September wurde D. I. Pischtschulin der neue Staatssicherheits-Chef von Turkmenistan. In allen drei Fällen handelt es sich um Personen, die in der Öffentlichkeit noch nie hervorgetreten und daher bisher außerhalb der UdSSR so gut wie unbekannt sind.

Daß es hier nicht nur um einige Umbesetzungen, sondern um eine Reorganisierung des gesamten Apparates des Staatssicherheitsdienstes geht, dafür spricht vor allem die Tatsache, daß vor wenigen Tagen auch der aus dem Moskauer Parteiapparat stammende Konstantin Lunjew, seit 1953 stellvertretender Innenminister der UdSSR – er hat bei der Verurteilung Berijas im Dezember 1953 eine maßgebliche Rolle gespielt – zum Staatssicherheitschef von Kasachstan ernannt wurde.

Bei all diesen Umbesetzungen dürfte neben Schelepin vor allem auch der Generaloberst der Grenztruppen Sergej Beltschenko seine Hand entscheidend mit im Spiele haben. Beltschenko war in den letzten Jahren der Stalin-Ära Innenminister der bjelorussischen Unionsrepublik und ist heute, wie man aus einigen Hinweisen entnehmen kann, als Stellvertreter Schelepins in der zentralen Leitung des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes tätig.

W. L.