Berlins neue S-Bahn-Züge fahren auf alten Gleisen

s. n., Berlin

Die S-Bahn, die auch in Westberlin der sowjetdeutschen „Reichsbahn“ untersteht, ist auf dem technischen Stand von 1939 geblieben; nun endlich hört man von Plänen der Erneuerung.

Die längst veralteten Signale zwar und ebenfalls die recht ausgefahrenen Schienen werden bleiben – und auch die Bahnhöfe werden nicht verschönt, die noch heute an die längst vergangenen Tage des verlorenen Krieges zu mahnen scheinen. So will sich die Berliner S-Bahn nicht ganz in das heutige moderne Stadtbild fügen; ein Restbestand vergangener Zeiten, oft von den Berlinern belächelt – nun der Fahrpreis von nur 20 Pfennigen hilft darüber hinweg.

Aber neue Wagen werden rollen. In blauen Farbtönen (nicht in roten, wie mancher unkte) sollen sie gehalten sein, und Lautsprecher werden den Fahrgästen die einzelnen Stationen nennen. Das Innere der Wagen zeigt ebenfalls Blau und Weiß. Auch gibt es Doppelfenster, so daß die Scheiben nicht mehr beschlagen. Überdies werden die Schilder, die zum sofortigen Schließen der ohnehin automatischen Türen auffordern, verschwinden. Die Türen werden sich auch nicht mehr während der Fahrt öffnen lassen; bisher ein beliebter Sport für Berliner Halbstarke, aber auch eine Labsal für lufthungrige Fahrgäste zur Sommerszeit. Dafür gibt es jetzt eine automatische Anlage, die in der Lage ist, 1600 bis 4000 Kubikzentimeter kühle Luft in der Minute in das Wageninnere zu pumpen. 224 Personen werden in dem neuen „Halbzug“, der in Ostberlin bereits ausgestellt wurde, Sitzplätze finden. Sie werden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern an ihr Ziel gebracht werden – wenn dieser und andere neue Züge zur Jahreswende von der „Reichsbahn“ in Betrieb genommen werden. Der „Volkseigene Waggonbau“ in Ammendorf hat diesen Zug in drei Jahren entwickelt – und er kann sich sehen lassen!

Doch leider hat auch diese Neuerung einen Haken, wie so vieles in der „DDR“: Die moderne S-Bahn wird schließlich mit den gleichen Schlingerbewegungen über den alten Schienenstrang „brausen“ wie die alten Züge: Dort, bei den Gleisanlagen, hätte man beginnen sollen,, kritisieren die Westberliner, da die Ostberliner nicht offen kritisieren dürfen.