Die Integration der internationalen und speziell der europäischen Kapitalmärkte schreitet seit der Einführung der Ausländer-Konvertibilität rasch voran. Im Zusammenhang damit hat auch das deutsche Interesse an den ausländischen Aktienmärkten in letzter Zeit zugenommen. Die ZEIT beabsichtigt, dieser Entwicklung in Zukunft Rechnung zu tragen und in regelmäßigen Abständen Kurzberichte über das Börsengeschehen im europäischen Ausland zu veröffentlichen. Wir beginnen mit der Schweiz.

Die Schweizer Börsen zeigten in den letzten Wochen nicht die hochgradige Nervosität, der die deutschen Börsen unterworfen sind. Das Kursniveau blieb ziemlich stabil. Lediglich die in Zürich notierten deutschen Werte (AEG und Hoechst) schlossen sich den Schwankungen der Heimatbörsen an.

Favoriten der Schweizer Kursblätter sind zur Zeit die argentinischen Werte, da man an eine grundlegende Besserung der dortigen Wirtschaftslage, an nordamerikanische Hilfe und an ein Entgegenkommen in der Verstaatlichungsfrage glaubt. Italo-Argentina und Sodex avancierten zwischen dem 12. und 19. Oktober um 20 v. H. Die Basis für Zwei-Monatsprämien liegt fast 10 v. H. über den Kassakurs.

Interhandel zeichneten sich durch eine vorübergehende Hausse aus, nachdem bekanntgeworden war, daß die Beteiligung an dem Sorgenkind Cilag-Schaffhausen an die amerikanische Firma Johnson & Johnson zu einem guten Preis veräußert werden konnte. Papierholding St. Moritz profitieren vom Geschäftsgang in der französischen Papierindustrie. Das Interesse für Frankreich hat überhaupt in der Schweiz in letzter Zeit zugenommen, was u. a. durch die Gründung eines neuen Investmenttrusts für französische Werte (Francit) unterstrichen wird. Falls die deutschen Börsen sich weiterhin so enttäuschend entwickeln und die Unsicherheit in den USA anhalten sollte, dürfte sich die Schweizer Börsenkundschaft noch mehr als bisher für Frankreich, aber auch für Großbritannien interessieren. Unmittelbar nach den britischen Wahlen ist auch ein schweizerischer Investmenttrust für Werte des britischen Commonwealth gegründet worden.

Die Baseler Chemiewerte sind für Ausländer im allgemeinen nur von beschränktem Interesse, da es sich weitgehend um Namensaktien handelt. Die wenigen Inhabertitel (vor allem Geigy und Hoffmann-Laroche) haben ein Kursniveau erreicht, das mit Liebhaberpreisen verglichen werden muß. Trotzdem steigen die Chemiewerte unentwegt weiter. Es ergeben sich bereits Nettorenditen, die teilweise unter 1 v. H. liegen. Auch Nestle-Inhaber erscheinen mit 2070 fr. schon reichlich teuer. Kapitalerhöhungen werden erwartet bei Schweizerischer Bankgesellschaft (Kurs 2500 fr.) und Geigy (Kurs der Inhaberaktie 14 000 fr.).

Werner Meyer