Gute Geschäftsergebnisse verspricht das Jahr 1959 der westdeutschen Chemiefaserindustrie zu bringen, die mit vollen Segeln den günstigen Wind der Konjunktur ausnutzt. Die stürmische Expansion dieses verhältnismäßig jungen Industriezweiges geht nach der kurzen Atempause im vergangenen Jahr in schwungvollem Tempo weiter, wobei insbesondere die synthetischen Fasern Träger dieser Entwicklung sind. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat die westdeutsche Produktion von Chemiefasern um 12,1 v.H. über der des ersten Halbjahres 1958 gelegen; aber die Zuwachsrate der Synthetica für sich allein genommen stellt mit 56 v. H. die auch bisher beachtlichen Erfolge dieser Produktionssparte weit in den Schatten. Der westdeutsche Verbraucher hat in diesem Jahre offenbar seine Vorliebe für die synthetischen Textilien entdeckt, denn hinter den imposant steigenden Produktionsziffern steht eine ständig wachsende Aufnahmefähigkeit des inländischen Marktes für Synthesefasern. Während sich noch im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik ein Pro-Kopf-Verbrauch von 380 g Synthesefasern errechnen ließ – zur gleichen Zeit lag beispielsweise in den USA der Verbrauch bei 1200 g und in Großbritannien bei 600 g pro Kopf der Bevölkerung –, rechnet die Chemiefaserindustrie für 1959 damit, daß der Bedarf je Bundesbürger mehr als 590 g betragen wird. Damit wären die anderen westeuropäischen Länder eingeholt.

Diese optimistischen Angaben machte der Vorstandsvorsitzer der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG Wuppertal-Elberfeld, Dr. Vits, für das laufende Jahr, an dessen erneutem Aufschwung die Glanzstoffgruppe einen bedeutenden Anteil hat. Dr. Vits hat die soeben eröffnete Kunststoffmesse in Düsseldorf erfreulicherweise zum Anlaß genommen, einen ersten Überblick über den Geschäftsverlauf seiner Gesellschaft in 1959 zu geben. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen wird dieses Jubiläumsjahr – das 60. Jahr in der Unternehmensgeschichte – der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG einen Spitzenumsatz bringen. Der Wertumsatz des Stammhauses Glanzstoff erreichte in den ersten drei Quartalen bereits 35? Mill. DM (391 im ganzen Jahr 1958). Das entspricht gegenüber der gleichen Vorjahreszeit einer überdurchschnittlichen Steigerung von fast 25 v.H. Selbst das bisherige Spitzenjahr 1955, das von der damaligen Mengenkonjunktur beeinflußt war, wird bisher um mehr als 24 v. H. übertroffen. Wie Dr. Vits mitteilte, entfällt der überwiegende Anteil an diesem Geschäftserfolg auf die synthetischen Erzeugnisse des Hauses Glanzstoff wie Perlon, Nylon und Diolen. Im Jahre 1959 wird erstmalig die Hälfte des Wertumsatzes von den Synthetica bestritten.

Mit der raschen Umsatzsteigerung des Stammhauses haben zwar die Beteiligungsunternehmen nicht Schritt halten können, aber der in den ersten drei Quartalen erreichte Konzernumsatz von 573 (671 im ganzen Jahr 1958) Mill. DM läßt ebenfalls einen Spitzenumsatz für das Jahr 1959 erwarten. Bisher macht die Steigerungsrate im Vergleich zur Vorjahreszeit mehr als 16 v. H. aus.

Die Glanzstoff-Verwaltung kann sich bei ihren Prosuktionsdispositionen wieder auf eine flüssige Absatzlage auf allen Teilmärkten stützen. Neben dem Textilbereich trug auch das technische Verwendungsfeld der Glanzstofferzeugnisse zu dem hohen Umsatz bei. Die Grundlage hierfür bot das um 25 v. H. höhere Produktionsvolumen der Reifenindustrie.. Die Kapazität des Glanzstoff Unternehmens ist, wie der Vorstandsvorsitzer betonte, voll ausgelastet. Der steigenden Aufnahmefähigkeit des Marktes an synthetischen Fasern und Fäden wird das Unternehmen bei seinen Investitionen durch Errichtung ausreichender Kapazitäten Rechnung tragen. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hatte diese Sparte des Konzerns 60 v.H. der Gesamtinvestitionen beansprucht; dieser Trend wird sich verstärkt fortsetzen.

Die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG hatte im vergangenen Jahr 13 v.H. Dividende gezahlt. Anläßlich der letzten Bilanzbesprechung mit der Presse hatte sich Vorstandsvorsitzer Dr. Vits zu dem Satz bekannt, daß es eine „Höchstdividende nicht gebe“. Hieran darf wohl, angesichts der außerordentlich guten Verkaufserfolge dieses Unternehmens, im Hinblick auf die Dividendenaussichten für 1959 erinnert werden.

Nmn.