In drei Fortsetzungen schilderte unser Reporter Heinz Stuckmann die Verkehrssituation in verschiedenen deutschen Städten und erklärte Möglichkeiten und Maßnahmen, wie man dem gegenwärtigen Verkehrschaos Herr werden will. Es gibt eine Reihe interessanter und guter Lösungen, vom großzügigen und kostspieligen – Stadtautobahnnetz bis zur Idee des „Organischen Verkehrssystems“, das der Hamburger Städteplaner Dr. Hans Bernhard Reichow entwickelte. Geld kosten sie alle. Aber wir erleben das Kuriosum, daß für die Straßen mit der größten Verkehrsdichte – Großstadtstraßen – das wenigste Geld da ist.

Meine durchaus laienhaften Verkehrsteste hätte ich mir sparen können. Zu diesem Thema gibt es bereits sehr aufschlußreiche Schaubilder, die Direktor Dr.-Ing. Lehrter vor zwei Jahren auf einer Tagung „Stadtverkehr gestern, heute und morgen“ in Essen gezeigt hat. Er gibt damit eine Übersicht über die möglichen Geschwindigkeiten in den verschiedenen Städten. Eine Kurve zeigt die möglichen Geschwindigkeiten in der Stadtmitte sowie in bestimmten Entfernungen von dieser Stadtmitte. Danach sind in den Zentren von Essen und München nur 8 km/st möglich. Sechs bis sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt kann man in beiden Städten bis zu 20 km/st erreichen. In Düsseldorf dagegen rollt es besser: 14 km/st im Zentrum und bis zu 26 km/st in den Außenbezirken. Hannover kann sich sehen lassen mit mehr als 20 km/st am Cityrand und 10 km/st in der Stadtmitte.

Diese Zahlen erhalten noch durch eine andere Betrachtungsweise Gewicht: Dort, wo die Straßen am schmälsten sind – in der City nämlich –, strömen die meisten Fahrzeuge zusammen. Was zum Beispiel auf den Straßen der Kölner Innenstadt rollt – meist wie überall Straßen aus der Pferdekutschenzeit –, das findet man sonst nur auf einigen Autobahnstrecken. In anderen Städten ist es genauso.

Verstärkter Verkehr bedingt einen langsameren Verkehrsfluß. Das heißt, daß sich immer mehr Wagen in der Stadt ansammeln und Verkehrsfläche beanspruchen. Das wird wiederum die Verkehrsmöglichkeiten beschränken. Es ist ein wahrhaft teuflischer Kreis. Die Verkehrsplaner haben zumeist beachtliche Anstrengungen gemacht, um aus diesem Kreis herauszukommen. Fast jedes Stadtplanungsamt kann heute Pläne vorweisen, die teils durchaus brauchbare, teils recht gute Lösungen sind: Stadtautobahnen, Durchbrüche, Tangentialstraßen, Parkplätze, Parkhochhäuser. Man weiß auch inzwischen ungefähr, was das alles kosten wird. Elf deutsche Großstädte mit 400 000 bis 800 000 Einwohnern zum Beispiel müssen zwischen 112 und 600 Millionen Mark aufbringen, um ihre Hauptverkehrsstraßen verkehrsgerecht auszubauen.

Dr. Hermann Brügelmann, Beigeordneter des Deutschen Städtetages, äußerte sich dazu: „Nach einer vom Bundesverkehrsministerium anerkannten Erhebung des Deutschen Städtetages beträgt der Finanzbedarf für eine durchgreifende Verbesserung der Stadtstraßenverhältnisse in den etwa 150 Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern etwa 13 Milliarden Mark. Wenn man die Füße auf dem Boden behalten will, so wird man diese Summe vernünftigerweise auf zehn bis zwölf Jahre verteilen müssen – in der gewagten Hoffnung freilich, daß das Tempo der Motorisierung ebenfalls in vernünftigen Grenzen bleibt. Das würde einen Jahresaufwand von 1,1 bis 1,3 Milliarden Mark bedeuten...“

Man weiß also recht genau, was die Sache kosten wird. Aber niemand weiß, woher das Geld genommen werden soll. Die Gemeinden, die zweifellos die schwersten Lasten an Verkehr und Ausbau der Verkehrsstraßen zu tragen haben, verfügen dafür nicht über eigene Steuermittel. Dr. Brügelmann fragt: „Müssen die Städte betteln gehen?“

Der Bund hat es leichter und kann großzügiger vorgehen. Das geht allein schon aus dem „Ausbauplan für Bundesfernstraßen (Bundesstraßen und Bundesautobahnen)“ hervor, der 1957 vom Bundesminister für Verkehr aufgestellt wurde. Danach sollen von den 21 900 Kilometern Bundesstraßen, für die der Bund zuständig ist, 10 650 Kilometer sowie 1050 Kilometer Neubaustrecken und die Autobahnen beim Ausbau des deutschen Straßennetzes besonders gefördert werden. In dem Plan heißt es: „In der Hauptsache wurden zu diesem (zu fördernden) Grundnetz Straßen ausgewählt, bei denen durch Verkehrszählung 1952/53 eine Verkehrsmenge von mehr als 1500 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden festgestellt worden ist...“