Mindestens 2500 Kilometer Straße in den kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens haben diese Verkehrsdichte. In anderen Ländern gibt es das auch. Aber hier wie überall sind die Dringlichkeitsbegriffe relativ; das Verhältnis wird vom Geldbeutel bestimmt. Allein aus der Mineralölsteuer bezieht der Bund 1959/60 rund 1750 Mill. Mark; weitere 600 Millionen kommen noch durch den Mineralölzoll des Kraftverkehrs herein.

7,5 Milliarden Mark will der Bund innerhalb der nächsten vier Jahre in seinen Fernstraßen anlegen. Für die Städte dagegen ist aus dem Bundessäckel ein Betrag von rund 60 Millionen (Anteil an durchgehenden Bundesstraßen) vorgesehen, ein Betrag, der allenfalls einer Stadt etwas helfen könnte. Der Deutsche Städtetag weist mit Recht darauf hin, daß künftig Geschwindigkeiten von 100 bis 120 km/st auf Bundesstraßen und Autobahnen und 10 bis 20 km/st in den Städten wohl nicht die richtige Lösung des deutschen Verkehrsproblems sein können.

15 bis 17 Millionen Kraftfahrzeuge werden sich in acht bis zehn Jahren auf unseren Straßen bewegen, die zum großen Teil vor 1914 gebaut worden sind und die für die damals 93 000 motorisierten Vehikel ausreichend waren. 7 Mill. Kraftfahrzeuge heute verursachen ein Verkehrschaos. Das Rennen wird nur mit großzügigen Lösungen zu gewinnen sein. In neun deutschen Großstädten kann diese Lösung ohnehin nur Stadtautobahn heißen.

Wenn ich allmorgendlich von meiner Wohnung zum Büro fahre, habe ich zwei Möglichkeiten Durch Köln-Mülheim oder über die Autobahn Düsseldorf-Frankfurt einschließlich Zubringerstraße. 3,5 Kilometer beträgt die Stadtstrecke. Ich habe dabei sechs Einmündungen, sechs Kreuzungen und drei Ampeln zu passieren. Fahrzeit: 15 Minuten zur Hauptverkehrszeit (= etwa 14 km/st). Über die Autobahn habe ich zwei Einmündungen und eine Kreuzung bei 6 Kilometer Strecke. Fahrzeit: 4 bis 5 Minuten (= 75 bis 80 km/st). Damit ist mein kleines Problem gelöst: Ich fahre Autobahn, schneller, sicherer, weniger anstrengend. Heinz Stuckmann