DIE ZEIT

Apostel Paulus und die DDR

Die evangelische Kirchengemeinde von Berlin-Brandenburg hat sich von dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, von Bischof Dibelius, distanziert, weil sie seiner "Wertung" des Begriffes Obrigkeit nicht folgen kann: "Der uns von der Heiligen Schrift gebotene Gehorsam gegenüber jeder Obrigkeit gilt auch heute gegenüber den bestehenden Regierungen so hieß es in dem Brief der Kirchenleitung.

Macmillans neues Kabinett

Alle jene düsteren Voraussagen, daß die neue konservative Regierung in Großbritannien nach dem hohen Wahlsieg der Tories scharf nach rechts rücken werde, sind jetzt – wenigstens vorläufig – durch die Kabinettsumbildung des Premiers zum Verstummen gebracht worden.

Rückkehr zu Jalta?

Washington im Oktober Durch den Chruschtschow-Besuch in den Vereinigten Staaten ist ein Wandel in den fundamentalen Voraussetzungen und Zielen der amerikanischen Außenpolitik zutage getreten.

PMF unter erhobenen Fäusten

Seit Pierre Mendès-France (PMF) seinen heroischen Versuch einer Reformierung der Radikalen Partei aufgeben mußte, ist er auf der Suche nach einer neuen Partei.

Moskaus neuer Mann in Peking

Nur wenige Tage nach den sowjetisch-chinesischen Verhandlungen, die ohne Abschluß-Kommuniqué beendet wurden, hat Moskau am 15.

ZEITSPIEGEL

Die sowjetische Akademie der Wissenschaften hat ein afrikanisches Institut gegründet, an dem die fünfzig sowjetischen Afrikaexperten arbeiten sollen.

Ballett und Staatsrecht

Das Staatliche ukrainische Tanz- und Gesangsensemble, das am 15. Oktober in der Westberliner Deutschlandhalle zeigte, was es in den Beinen und in den Kehlen hat, ist unversehens zu einem staats- und völkerrechtlichen Monstrum geworden.

Das Zweite Fernsehprogramm

Im Streit um das Zweite Fernsehprogramm ist der Bundesinnenminister zur Zeit in der Offensive. Die Front der Länder, die fest geschlossen zu sein schien, als die Ministerpräsidenten sich über den Kieler Entwurf geeinigt hatten, zeigt Risse.

George C. Marshall

Als John Foster Dulles im Walther-Reed-Hospital zu Washington starb, lag in einem Zimmer desselben Flurs von einem Schlaganfall gelähmt General George C.

Mitterand Zielscheibe für Radikale

Als letzten Donnerstag die gaullistische Kammerfraktion sich über Algerien in die Haare geriet, mahnte ein Abgeordneter zu Einigkeit im Vertrauen auf de Gaulle: „Schon morgen kann die Katastrophe eintreten.

Ausgewechselte Aufpasser

Im Apparat des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes sind während der letzten sechs Wochen wichtige Umbesetzungen bekanntgegeben worden.

Apartheid – auch positiv

In Südafrika haben in den letzten Tagen die Weißen ihre Provinzparlamente gewählt. Heute wie vor 50 Jahren stehen sich dabei Buren und Engländer gegenüber, wenn auch nun in Gestalt ihrer jeweiligen südafrikanischen Parteien, der National und der United Party.

Nordrhein-Westfalen: Volkszorn in Köln-Bayenthal...

Der Bürgerverein Köln-Bayenthal hatte zum 17. Oktober 1959 zu einer „außerordentlichen Bürgerversammlung“ eingeladen. „Die Lage ist ungewöhnlich“ hieß es in dem Rundschreiben, das an „alle Haushaltungen“ ging.

Ordnung und frühes Leid

Wegen dieses Unterschieds schickt uns der Staat die Aufforderung zur richterlichen Vernehmung meistens erst, wenn die Einladung der Polizei nichts gefruchtet hat.

Berlin: Blau statt Rot

Die längst veralteten Signale zwar und ebenfalls die recht ausgefahrenen Schienen werden bleiben – und auch die Bahnhöfe werden nicht verschönt, die noch heute an die längst vergangenen Tage des verlorenen Krieges zu mahnen scheinen.

Baden-Württemberg: Der verschmähte Freispruch

Eine kleine Revolution der Rechtsprechung fand im Oberlandesgericht Stuttgart statt: die Revision eines freigesprochenen Angeklagten gegen das Urteil wurde für zulässig erklärt, obwohl der Freigesprochene nichts gegen das Urteil selbst, sondern nur gegen dessen Begründung hatte.

Sachsen-Anhalt: Jazz und „Freiheit“

In Magdeburg klingt aus kleinen Lokalen jene laue Musik, wie sie in der Sowjetzone üblich ist. Dennoch geht aus Gesprächen mit dem Schlosser Fritz und seinen Lehrlingen Hans und Detlev hervor, daß die Magdeburger Jugend recht gut über den modernsten Jazz informiert ist: Eine besondere Sendestation trägt dazu bei.

Bundesbahn-Katzen

Die Katze läßt das Mausen, manchmal. Diese zoologische Erkenntnis hat ein Gepäckträger im Hamburger Hauptbahnhof gewonnen, amtlich sozusagen, obwohl er keineswegs zur Verhaltensforschung beauftragt ist.

Wie hältst du’s mit den Modernen?

Wer sich bei einem Stoßtrupp in die noch „unerforschten Gebiete moderner Kunst mit möglichst großer Sicherheit bewegen will, tut gut daran, ganz, außen zu gehen.

Nicht völlig sicher

Der britische Außenminister Bevin erklärte auf eine Anfrage im Unterhaus, er halte die Zeit noch nicht für gekommen, der Demontage in Deutschland ein Ende zu setzen.

Die verkaufte Pfeifenzeit

Es war einmal ein Mann, der lebte so dahin – einen Tag, den anderen Tag und noch einen Tag, verdiente sich tagsüber sein Brot und seinen Tabak und rauchte abends seine lange Pfeife.

Mit Gedichten leben

Es sage niemand, die Musen hätten das Land der Deutschen geflohen, um seine Bewohner ihren Volkswagen, Zweckmöbeln und Kulturinstituten zu überlassen.

ZEITMOSAIK

In Wien eröffnete Fritz Hugl, ehemals Croupier, eine „Schule der Glücksspiele“, deren Direktor und einziger Lehrer er ist. Seine Gegner behaupten, ein solches Unternehmen sei unmoralisch; der Erfinder sagt, es sei noch viel unmoralischer, Leute spielen zu lassen, die von Roulette keine Ahnung hätten.

Mein Gedicht

Daß einer ein einziges Gedicht sein Leben lang für das schönste hält, scheint mir nicht wahrscheinlich. Je größer seine Aufnahmefähigkeit für Lyrik ist, desto weniger leicht wird er die Frage nach seinem „Lieblingsgedicht“ beantworten können.

Ein Erstling

Leider ist kaum damit zu rechnen, daß dieses Buch den Erfolg haben wird, den sein Autor verdient; es ist zu andeutend in seinen Feinheiten, ebensosehr auf Verschattung wie auf Belichten aus; fast alle Gewißheiten darin werden halb oder ganz zurückgenommen in ein Gewölk von Mutmaßungen, deren mehrdeutige Bedrängnis man ratlos mitfühlt.

Mut, Wollust und Ehre

Als Paul Valéry in den zwanziger Jahren gefragt wurde, wen er für den größten französischen Schriftsteller seiner Zeit halte, antwortete er ohne Zögern: Henry de Montherlant.

Dämonie des Weiblichen

Daß Neumann sich dieses Sieges vielleicht nicht vorbehaltlos zu freuen vermag, könnte an der Einsicht liegen: sein ernstes Gegenüber hatte die Ebene der Parodie, die eine der Ebenen des Humors ist, gar nicht begriffen.

Kleine Küchenreisen (2): Die Normandie

Ob Franzose oder Ausländer – wer die Normandie gesehen hat, diese alte, vom Kanal bis ins Herzland Frankreichs reichende Provinz, denkt an reiche grüne Weiden mit dicken Kühen, er erinnert sich der köstlichen roten Äpfel, des, goldenen Mostes, leckerer Käsearten und wohl auch des himmlischen Calvados’, dem aus Äpfeln destillierten Weinbrand.

Die Wellen schlägt ein Apparat

Daß man sich in einem Nordseebad nur erholen könne, wenn die Sonne scheint und das Meer warm ist, gilt als ein überholtes Vorurteil.

Kein Urlaub für Tiere

Schon wurde in einigen Kur- und Erholungsorten ernstlich erwogen, Reservate für jede Art von Haustieren samt ihren Besitzern einzurichten; Parks zum Beispiel, in die nur gehen dürfte, wer seinen Vogel in den Urlaub mitnimmt; Parks mit Bäumen, die eigens zum Aufhängen der Käfige angepflanzt sind.

Stoffhaus mit Apsis für tausend Mark

In diesem Sommer wurde es offenkundig wie nie zuvor: das Camping ist eine Massenbewegung geworden. Die rund 1000 Campingplätze Westdeutschlands waren zum größten Teil lückenlos belegt.

Intervention im Stahlarbeiter-Streik

So rasch und entschlossen Präsident Eisenhower im kürzlich ausgebrochenen Dockarbeiterstreik vorgegangen ist, so sehr hat er sich lange dagegen gesträubt, im längsten und kostspieligsten Streik in der Geschichte der amerikanischen Stahlindustrie zu intervenieren.

Die Industrie und die Marktwirtschaft

In seinem zum zehnjährigen Bestehen vorgelegten Jubiläumsbericht warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie vor einem falschen Hochmut: davor, daß man sich mit dem Bewußtsein zur Ruhe setze, „daß wir es doch herrlich weit gebracht hätten“.

Front gegen die Konzentration

Neue wirtschaftspolitische Angriffsrichtung – aber noch keine völlige Klarheit über das eigentliche Ziel

Wem gehören die Unternehmen?

Viele Unternehmen sind nicht mehr wirklich selbständig, sondern gehören Konzernen oder privaten Großbesitzern. Die statistischen Unterlagen darüber sind lückenhaft.

Endet der Straßenbau in Sackgassen?

Oft und eindringlich ist in jüngster Zeit an das öffentliche Straßenbaugewissen appelliert worden. Der Straßenbau, so hieß es, sei eine vordringliche Aufgabe der gesamten Nation, und ein jeder müsse sich die Forderung nach mehr und besseren Straßen zu eigen machen.

Kapitalflucht aus dem Kongo

In diesen Tagen ist es fünfzig Jahre her, daß das Kongogebiet belgische Kolonie wurde. Für die Belgier besteht aber kaum Veranlassung, Feste zu feiern, denn auch der Kongo ist in Bewegung geraten.

Boykott gegen Südafrika

Jamaika hat vor einiger Zeit ein Verbot für Importe aus der Südafrikanischen Union erlassen. Von dieser Maßnahme werden Exporte der Union im Wert von 600 000 £ betroffen.

Vollbeschäftigung an der Saar

Im jüngsten Bundesland herrscht, wie im übrigen Bundesgebiet Vollbeschäftigung. Die Wirtschaft läuft auf hohen Touren, und die Arbeitskräfte sind knapp geworden.

Tauziehen um den Assuan-Damm

Man mag wohl hier und da ein bißchen über die Eifersuchtsszene gelächelt haben, die sich vor vierzehn Tagen zwischen Bonn, Kairo und Pankow über die Einrichtung eines Generalkonsulats der Sowjetzone in Kairo abgespielt hat und die beinahe zu einem Bruch zwischen der Bundesrepublik und der Vereinigten Arabischen Republik (V.

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