C. M., Helmstedt

In Magdeburg klingt aus kleinen Lokalen jene laue Musik, wie sie in der Sowjetzone üblich ist. Dennoch geht aus Gesprächen mit dem Schlosser Fritz und seinen Lehrlingen Hans und Detlev hervor, daß die Magdeburger Jugend recht gut über den modernsten Jazz informiert ist: Eine besondere Sendestation trägt dazu bei.

Auch Hendrik, der Fernfahrer aus Dänemark, mit dem ich nach einem Rundgang durch die Innenstadt gegen Helmstedt rolle, hört diese Station, deren Sendeturm schemenhaft bei Burg aus dem Dunkel herüberleuchtet.

„Der Freiheitssender“, meint er vielsagend, und Schon tönt aus dem Lautsprecher seines Lastwagens jene verhalten geheimnisvolle Stimme des Ansagers, die so viele kennen: „Hier ist der Freiheitssender 904 – Hier ist der Freiheitssender 904...“

Alsbald erklingt Musik, wie sie in der Zone verpönt, ja direkt verboten ist. Elvis Presley, der inzwischen zum Obergefreiten avancierte Rock‘n‘ Roll-Sänger (made in USA) murmelt sein Lied vom Love me tender – Doris Day, Louis Armstrong, Judy Garland und selbst Bill Haley finden sich im Schallplattenarchiv dieses Senders wieder...

Die kleinen Bands in Magdeburg „bevorzugen“ heute den milden Stil, sie sind noch vorsichtiger geworden, seit ihr Größter, Kurt Henkels, gen Westen floh! Der Erfolg dieser Musikrichtung: Mit erhitzten Gesichtern sitzen die Jugendlichen Magdeburgs verzückt daheim vor dem Radioapparat, um den „Freiheitssender“ zu hören.

Doch jetzt folgen vom Sender in Burg „Informationen“: „Wieder erfaßte der Kriegsminister in Bonn, Josef Strauß, viele Angehörige des Jahrganges 22. Sie werden unter dem Nazi-General Heusinger Dienst tun...“ Den „Nachrichten“ folgt aufs neue jene „verbotene“ Musik.