Sieben Jahre lang haben die Aktionäre der Vereinigte Jute-Spinnereien und Webereien AG, Hamburg, keine Dividende erhalten. Wenn sie dennoch auf der Hauptversammlung, die über die Bilanz 1958 zu befinden hatte, über den Geschäftsverlauf der letzten Monate einigermaßen zufrieden waren, dann lag es offensichtlich daran, daß sie Vertrauen zu den Plänen des Vorstandes haben, der sich erfolgreich bemüht, der Lage des Unternehmens eine Wende zu geben, vielleicht sogar schon gegeben hat.

Es wäre nur logisch gewesen, wenn man der Reorganisation auch durch eine Umbesetzung des Aufsichtsrats Rechnung getragen hätte. Daß sie sachlich berechtigt gewesen wäre, hat wohl der Verlauf der Hauptversammlung gezeigt, der manchmal Zweifel offen ließ, wer der eigentliche Verhandlungsführer war. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, vertreten durch Dr. Frhr. v. Gleichenstein, machte einen entsprechenden Vorstoß und beantragte, die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder von neun auf sechs herabzusetzen, um neben dem tatkräftigen Vorstand auch einen schlagkräftigen Aufsichtsrat zu stellen. Das scheiterte am Widerstand der Commerzbank, die Wert auf eine möglichst große Zahl von „Ratgebern“ legte. Die Commerzbank wollte auch nichts von einer Umbesetzung des Aufsichtsrats wissen. Dr. v. Gleichenstein beanstandete nämlich die einseitige Zusammensetzung dieses Gremiums, in dem von den sechs gewählten Mitgliedern – nach Vorschlag der Bank,– fünf aus dem Bereich der Banken stammen und nach seinen Feststellungen nicht einmal Aktionäre waren. Dr. v. Gleichenstein schlug vor, den Aufsichtsrat so zu bilden, daß ihm ein branchekundiger Fachmann sowie ein persönlich nicht gebundener Vertreter des Streubesitzes angehören.

Die ablehnende Haltung der Banken war für einen Teil der freien Aktionäre eine um so größere Enttäuschung, als ihnen in den vorangegangenen Hauptversammlungen die wohlwollende Prüfung der Frage, ob nicht ein Vertreter aus ihren Reihen in den Aufsichtsrat gewählt werden könne, zugesagt worden war. Nun, diese „wohlwollende“ Prüfung hat offensichtlich ergeben, daß keine der bisher im AR vertretenen Banken bereit ist, auf ihren Sitz zu verzichten. Das mag verständlich sein, wenn man sich die in der Bilanz per 31. Dezember 1958 angegebener Bankschulden des Unternehmens von rund 5,8 Mill. DM ansieht, die angesichts der übrigen Zahlen relativ schwer ins Gewicht fallen. Die Vertreter der Banken im AR müssen also auf zwei Schultern tragen. Einmal sollen sie eine Gläubigerposition vertreten, zum anderen nehmen sie, wie das Aufsichtsratsmitglied Manfred Oheimb v. Hauenschild (Vorstandsmitglied der Deutschen Bank) nachdrücklich erklärte, die Interessen der Kleinaktionäre wahr, mit deren Vertretung sie von ihren Kunden (über Depotstimmrecht) beauftragt worden sind.

Es ist nicht gerade weise, wenn man bei einer Gesellschaft, die sieben Jahre ohne Dividende geblieben ist und auch für 1959 noch keine Ausschüttung vornehmen kann, nach Verantwortung drängende Kleinaktionäre in einer Kampfabstimmung unterliegen läßt.

Gegen 2375 Stimmen freier Aktionäre wurde dann folgender Aufsichtsrat gewählt: Bankdirektor Dr. Ernst Lincke (Commerzbank, auf Wunsch des Großaktionärs), Bankdirektor Hugo Schamberg, MdB, Manfred Oheimb v. Hauenschild (Vorstandsmitglied der Deutscher, Bank), Will Marx (Vorstandsmitglied der Commerzbank), Bankier Dr. Friedrich Prieß (Brinckmann, Wirtz & Co.), Dr. Wilhelm Gruber (bisher Vorstandsmitglied). K.W.