Wie kann in einer freien Wirtschaft die Bildung von Mammutunternehmen verhindert werden?

Bundeskanzler Dr. Adenauer hat, vor nunmehr zwei Jahren, das Stichwort für die mittlerweile auf breitester Front geführte Debatte über die wirtschaftliche Konzentration gegeben. In der Regierungserklärung vom Oktober 1957 hieß es:

„Wir wollen nicht, daß schließlich, bei immer größerer Konzentration der Wirtschaft zu Großbetrieben, das Volk aus einer kleinen Schicht von Herrschern über die Wirtschaft und einer großen Klasse von Abhängigen besteht.“

Mit diesem einen Satz sind bereits die sehr verschiedenartigen Aspekte dessen angesprochen, was im wirtschaftlichen Bereich als Konzentration bezeichnet zu werden pflegt. Da geht es also zunächst um den Gegensatz zwischen „groß“ und „klein“ und speziell um die Besorgnis, daß mittlere und kleinere Existenzen mehr und mehr in die Abhängigkeit von big business geraten und schließlich ihre Selbständigkeit völlig einbüßen oder – schlimmstenfalls – „zumachen“ müssen.

Der Verlust der Selbständigkeit kann durch Fusion geschehen, also durch völlige Einschmelzung in ein Großunternehmen. Häufiger sind wohl die Formen der Angliederung an eine größere Firma derselben Branche oder Eingliederung in einen Konzern, in dem möglicherweise sehr verschiedenartige Beteiligungen zusammengefaßt sind. Also etwa, um an einen bekannten Fall zu erinnern: Firmen, die Puddingpulver herstellen, zusammen mit Brauereien, Schiffahrtsgesellschaften.

Von „außen“ nicht sichtbar

Da bei einer solchen Eingliederung die Firmenbezeichnung des in den Konzern übernommenen Unternehmens regelmäßig erhalten bleibt, wird – von „außen“ gesehen – das totale Abhängigkeitsverhältnis nicht erkennbar. Deshalb ist es auch fast unmöglich, genau oder auch nur annäherungsweise zu ermitteln, welchen Umfang die Unternehmenskonzentration speziell in der Form der Konzernverschachtelung, bei uns bereits erreicht hat. Man will die Dinge nun durch eine Enquête zu klären versuchen; so wurde vom Bundestag kürzlich einstimmig beschlossen, und zwar im Anschluß an die Debatte über die von Minister Erhard beantwortete große Anfrage der Koalitionsparteien zum Konzentrationsthema.