Auch die anderen neuen Ernennungen tragen eher einen liberalen als einen reaktionären Stempel. Mr. Macleod zieht vom Arbeitsministerium, wo er sich vor allem als Vermittler sehr bewährt hat, ins Kolonialministerium. Soweit bekannt ist, scheint er (der allerdings in seinem Leben kaum im Ausland war) nicht der Typ eines Politikers zu sein, der die Eingeborenen auf jeden Fall in einer untergeordneten Rolle festhalten will.

Sein Nachfolger im Arbeitsministerium, Edward Heath, ist gleichfalls ein Mann vom Mittelklassenzuschnitt. "Da ist doch", so hat kürzlich ein Minister bemerkt, "tatsächlich kaum ein einziger Gentleman im Kabinett."

Selwin Lloyd, der Außenminister, den heute nicht mehr so viele Leute "den armen Selwin" nennen und der in seiner Behörde sehr beliebt ist, behält seinen Posten. Diese Tatsache wird so ausgelegt, daß der Premierminister offenbar wünscht, auch in Zukunft sein eigener Außenminister zu bleiben.

Was nun die Labour Party angeht, so sieht es so aus, als stehe ihr wirklich eine sehr unglückliche Epoche bevor. Wohl jedes Mitglied der Partei hat sich seine eigene Theorie über die Gründe der Wahlniederlage zurechtgelegt. Deutlich zeigt sich wieder der alte Riß zwischen den beiden Hauptgruppen der Parteien. Die eine ist der Meinung, die Partei müsse nun sehr viel sozialistischer werden, und die andere glaubt, daß der Sozialismus sich völlig überlebt hat.

Die Auseinandersetzung kristallisiert sich, wie schon seit Jahren, um die Frage der Nationalisierung. Im Wahlkampf hatte die Partei die Nationalisierung der Stahlindustrie auf ihre Fahnen geschrieben. Die eine Gruppe war allerdings der Ansicht, daß gerade für die Stahlindustrie eine Nationalisierung am allerwenigsten notwendig sei.

Der andere Flügel indes meinte, daß dies nur der Beginn einer großen Nationalisierungs-Woge sein soll.

Jetzt, da die Wahl vorbei ist, vertritt die erste Gruppe den Standpunkt, die Nationalisierungsforderung müsse ein für allemal fallen gelassen werden, da ja die Wähler ihre Abneigung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht hätten. Die Radikaleren aber glauben ganz im Gegenteil, daß sich die angeschlagene Linke nur durch ein neues, viel weitreichenderes Programm der "öffentlichen Verantwortlichkeit" (so die neue Parole) im politischen Kampf halten kann.