Von Dieter E. Zimmer Zimmer

Es sage niemand, die Musen hätten das Land der Deutschen geflohen, um seine Bewohner ihren Volkswagen, Zweckmöbeln und Kulturinstituten zu überlassen. Täglich bringt die Bundespost viele Briefe in Verlags- und Redaktionsstuben die sind schwer von Lyrik.

So ausgiebig auch über den prosaischen Alltag gesprochen wird – alle Welt schreibt offenbar trotzdem Verse, und die Dichter finden noch immer ihr Publikum. Die meisten Amateurgedichte jedoch kommen der Öffentlichkeit nie vor die Augen; sie sind nicht geschrieben worden, um damit Geld zu verdienen oder Ehre einzulegen, sondern einfach um der Genugtuung willen, die es bereitet, sich eines Verses zu entledigen.

Jetzt im Herbst, da kommen die Herbstgedichte. Die meisten beginnen gleich mit welkem Laub und haben dem nur noch wenig hinzuzusetzen. Höchstens, daß man jetzt also noch lange allein bleiben wird, aber das ist weidlich bekannt. Im Frühjahr hingegen wird der Lenz besungen, zum Beispiel so.

Wiese! Strauch! Vergißmeinnicht!

Es grünt das Laub, die Vögel schreien juchhei!

In den meisten Fällen ist die Natur Opfer solcher Lyrifizierung. Daneben gibt es die Pubertätslyrik: sie liebt die Schwüle und bewegt sich thematisch zwischen dem Bordell und der vorletzten jam session. Da fliegen, schwirren, kreisen und steilen dem Leser die Synkopen um die Ohren; immerhin, die Dichter waren dabei, sie haben sich ins Leben gestürzt, auch wenn sie sich dann zu Hause ein paar bittere, abstandnehmende Reflexionen abpressen, eindrückliche Verse wie