Ostberliner Festtage, währenddessen eine Festwoche des chinesischen Films, Festwoche des DEFA-Films, Festlichkeiten zum 10. Geburtstag der DDR – so jagte in Ostberlin ein Fest das andere. Es war üblich, die Selbstfeier des Regimes durch „Geburtstagsgeschenke“ zu verschönen. Die DEFA legte sieben Filme auf „den Gabentisch der Republik“, sechs Spielfilme, einen Dokumentarfilm. Er heißt „Daß ein gutes Deutschland blühe“. Man weiß sogleich, welchen Teil Deutschlands die DEFA meint. Um das Leben, um die Gegenwart in diesem „guten“ Deutschland geht es in fünf der Geburtstagsfilme; einer spielt im anderen, im „bösen“ Deutschland.

Ein in dieser Reihe typischer Film ist Erich Kubak“, Geschichte eines Baggerführers aus dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Kubak, schon seit 30 Jahren auf dem Bagger, ist ein fleißiger Arbeiter, ein Grübler außerdem, dauernd auf Verbesserung seiner Maschine bedacht. Aber er macht das allein, er zieht die Kumpel nicht hinzu. Als es einmal schiefgeht, wird er zur Abraumkippe versetzt. Der Parteisekretär jedoch überdenkt die Sache. Hat nicht auch die Partei versagt? Kubak tüftelt indes an neuen Vorschlägen. Man lehnt sie ab; erst einer zum Arbeitseinsatz kommandierten Studentin gelingt es, die anderen von der Qualität dieser Idee zu überzeugen. Es gelingt ihr auch, den Sohn Kubaks, frisch von der Volksarmee zurück, von sich zu überzeugen. Schließlich das Happy-End: Erich Kubak findet zum Kollektiv, vom „Ich zum Wir“; die Studentin und der junge Kubak finden nach längerem Schmollen im Lehm der Grube liebend zueinander.

Das ist ein Film, der die Forderungen der SED erfüllt: Produktions-Propaganda, zeitnahe, ein bißchen Liebe, ein „positiver Held“ mit kleinen, ihn vermenschlichenden Schwächen. Und doch – oder gerade deshalb? – ist es einer der schlechtesten Streifen, die die DEFA je drehte. Zähflüssig, langweilig. Die Photographie versäumt beinahe alles. Welche optischen Möglichkeiten hätten in der verzwickten Maschinerie des Riesenbaggers, in der tristen Landschaft des Braunkohlenreviers gesteckt. Selbst ein so großartiger Schauspieler wie Raimund Scheicher als Kubak kann dem trägen Brei des Geschehens nicht zur Gärung verhelfen. In der ersten Vorstellung im großen Ostberliner „Babylon“ saßen etwa 50 Zuschauer.

Besser kam beim Publikum „Verwirrung der Liebe“ an: ein Hin und Her zwischen vier jungen Leuten, die nicht immer genau wissen, wen sie gerade lieben. Der DEFA wurde oft zum Vorwurf gemacht, sie produziere zu wenig Liebesfilme, sei zu prüde. Regisseur Slatan Dudow hat sich bemüht, diese Kritik in einer gewaltsamen Anstrengung zu entkräften. Er läßt seine durchweg sympathischen jungen Darsteller fleißig küssen. Eine Faschingsfeier von Studenten bildet gleich zu Anfang einen Höhepunkt verrückten Tanzens, heftigen Trinkens, ausgiebigen Knutschens. „Verwirrung der Liebe“ erfüllt das DEFA-Jahressoll an Küssen und verabreicht politische Belehrung in homöopathischen Dosen. Ein weitschweifiger, langatmiger Farbfilm; doch immerhin, das Publikum war stellenweise amüsiert.

Weitaus besser gemacht ist „Weißes Blut“. Ein Bundeswehrmajor kehrt atomverseucht von einer Spezialausbildung aus den USA zurück. Sein Schwiegervater, Bankier in München, ist am Bau von Raketen-Abschußrampen finanziell interessiert. Er will verhindern, daß die Erkrankung des Majors publik wird und versucht, ihn nach Südamerika abzuschieben. Seiner schwangeren Tochter rät er zu einer Abtreibung, weil das Kind ebenfalls strahlengeschädigt sein könnte. Der Major begibt sich in die ihm verbotene Behandlung eines Professors, der einem Komitee „Gegen den Atomtod“ angehört. Dort wandelt er sich zum „Friedenskämpfer“. Seinen Tod und eine Gruppe neugieriger Journalisten vor Augen, den Schlauch von der Bluttransfusion noch in der Ader, ruft zum Schluß auch der Major zum Kampf gegen den Atomtod auf.

Der Drehbuchautor Harald Hauser und schließlich der Regisseur Gottfried Kolditz zeichnen die einzelnen Typen gut, ohne große Übertreibung. Dennoch ergibt es sich, daß die Offiziere und der Bankier wahre Ungeheuer sind, Intriganten, graumelierte Mörder auf Umwegen, Exponenten eines auf Diktatur, Spitzelwesen und Menschenverachtung basierenden Systems. Ekel muß den packen, der dieses unterkühlte Gebräu aus der Babelsberger Retorte wirklich für unvergiftet hält, Ekel vor den Zuständen, die da in der Bundesrepublik herrschen.

Die SED mag sich über diesen Film gefreut haben, mehr als über die anderen „Geburtstagsgaben“ der DEFA. Sie hat jedoch den kulturpolitischen Auftrag der Partei bei allen sieben Streifen erfüllt: das heutige Leben, wie es nach Meinung der SED ist, im Film darzustellen. Die Verantwortlichen haben sich die Kritik, die von der Kulturkommission beim Politbüro des ZK der SED im Juli vergangenen Jahres geübt wurde hinter die Ohren geschrieben. Die Parteipresse bezeichnet die neuen Filme als „neue Welle“ der DEFA.