DK-Hamburg

Wer aufgefordert wird, zur polizeilichen Vernehmung zu kommen, der kann, wenn er will, hingehen. Er kann es auch sein lassen.

Wer aufgefordert wird, zu einer richterlichen Vernehmung zu kommen, der sollte lieber hingehen, weil er sonst zwangsweise dem Richter zur Vernehmung vorgeführt werden kann.

Wegen dieses Unterschieds schickt uns der Staat die Aufforderung zur richterlichen Vernehmung meistens erst, wenn die Einladung der Polizei nichts gefruchtet hat. Zwangsweise vorführen“ – das tut dann freilich wiederum die Polizei, und so schließt sich der Kreislauf der Staatsnatur. Und darum ist es letzten Endes doch richtig, wenn mehr Leute Angst vor den Polizisten haben als vor den Richtern.

Nun haben wir in Hamburg das so unfreiwillig zu Ruhm gekommene Mütterchen Steputat, siebenundsiebzig Jahre alt, das dreimal polizeilich aufgefordert worden war, sich als Zeugin eines Verkehrsunfalls auf der Wache vernehmen zu lassen, und dreimal nicht kam. Dem Mütterchen Steputat schickte darum schließlich der Richter eine Einladung, Aber auch er wartete vergebens. Die zwangsweise Vorführung war fällig. Fällig zum Termin, der morgens um neun Uhr stattfinden sollte.

Die Polizei kennt das Leben und weiß, daß manche Leute ganz früh morgens schon aus dem Hause gehen. Wer zwangsweise vorgeführt werden soll, den muß man erwischen, solange er zu Hause ist. Da heißt es: Morgenstunde hat Gold im Munde. Wer ein erfolgreicher Zwangsvorführer sein will, muß früh aufstehen.

Zu Mütterchen Steputat sollen sie bald nach vier in der Frühe gekommen sein. Andere sagen, es wäre gegen fünf gewesen, und jemand, der bei sechs Uhr schon Gänsehaut kriegt, sagte, die Uhr wäre grad’ sechs gewesen. Genug: es war sehr früh, als uniformierte Polizisten das Mütterchen Steputat aus dem Bett holten und im Polizeiwagen zum Gericht brachten.