Eine Türkin an Walter von Molo

Ein Gedenktag ist ein Trauertag, aber nicht bei Walter. Wie komme ich dazu, ihn so zu nennen? Er selber hatte es sich ausgebeten. „Sonst nenne ich dich gnädige Frau, ich alter Bursch!“ – so hatte er gepoltert.

Er polterte oft, er polterte viel. Bei ihm war immer Sturm und Drang, Gewitter saß immer in ihm. So schrieb er Schiller, so schrieb er Friedrich Liszt. Temperament hatte er, ein „alter Bursch“ war er nicht.

1950 schrieb er mir: „Die Trauerstunde naht, nächstes Jahr soll ich 70 werden, pfui Teufel!“

1961 wäre er 80 geworden. Ihm ist wohler so.

Walter von Molo hatte zwar den Eugenio von Savoy geschrieben, aber das tat unserer Freundschaft keinen Abbruch. Ganz und gar nicht! Er schrieb mir noch hinein als Widmung: „Leyla, vielleicht haben sich unsere Ahnen vor Wien gesehen, damals... Komm bald wieder!“ Wir schrieben den 7. April 1957. Wie ich wiederkam, war er hinweg.

Walter von Molos Humor war einzigartig. „Weißt du“, sagte er einmal, „drei sind gekommen in der Geschichte, die die Welt aus den Angeln hoben, alles Deutsche. Kein Wunder, wenn man gegen uns ist...“