Zur Fastenkur in Uberlingen – Ein Schild befiehlt: „Raucher müssen umsteigen“

Von Heinz Stuckmann

Mit diesem Beitrag aus Überlingen am Bodensee beschließen wir unsere kleine Reihe über ungewöhnliche Kuren. Vorangegangen sind die Berichte aus dem Schroth-Kurort Oberstaufen (ZEIT, Nr. 22) und von der Felke-Kur in Diez an der Lahn (ZEIT, Nr. 37).

Das wunderschöne Haus mit den hellen Pastellfärben, der gute Einfall eines guten Architekten in seiner besten Stunde, liegt im dunklen, fast südländischen Park und wirkt überaus einladend. Der Eintritt allerdings wirkt ernüchternd. Ein großes Schild verkündet: „Diese Kuranstalt ist ein Nichtraucher-Abteil. Raucher müssen umsteigen.“

Man hört heraus: Hier herrschen harte Sitten. Noch kann man sich’s überlegen, ob man überhaupt einsteigen soll. Dann erübrigt sich das Umsteigen. Die meisten, die ihr Billett ja sowieso schon gelöst haben, steigen also ein; denn die Reisebeschreibung ist in der Regel schon bekannt. Es war mein Pech, daß ich sie nicht gelesen hatte, weil ich mich gern überraschen lasse.

Die erste und auch größte Überraschung war jenes Haus in Überlingen, das innen noch mehr gibt, als es außen verspricht. Nicht nur, daß es in einer der schönsten deutschen Landschaften liegt, gibt ihm seinen Glanz. Der Bodensee mit seiner nahezu italienisch anmutenden Farbigkeit verheißt eine Vielfalt von Ferienfreuden.

In meinem Zimmer vergaß ich, den Koffer auszupacken. Ich setzte mich in den bequemen Sessel und genoß das, was sich mir durch das große Fenster bot. Ich blickte auf die glitzernde, sich schier ins Unendliche dehnende Fläche des Bodensees mit der Insel Mainau, der Zitronen und Feigen tragenden, auf die vielen Buchten und Vorsprünge und sah – ganz in der Ferne – die schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen. Ich schaute den Park zu Füßen mit seinen alten schönen Bäumen, darunter manch interessanter subtropischer Ausländer, Kein Wunder, daß hier, wo solche Bäume gedeihen, der Frühling zuerst in seiner ganzen Blütenpracht erwacht, kein Wunder, daß sich hier das goldene Laub der Herbstbäume bis in eine Zeit hinein hält, da im restlichen Teil des Vaterlandes schon Winter ist.