Der Bürgerverein von Köln-Bayenthal ist nun keineswegs – auch nicht fast – Eigentümer des St.-Antonius-Krankenhauses. Das ist die Genossenschaft der Augustinerinnen. Nach der Rechtslage hat sie allein darüber zu bestimmen, wie und wann Arztstellen besetzt werden. Wie allerdings die Neubesetzung der Chefarztstelle der Inneren Abteilung zustande kam, das ist sehr interessant

In diesem Jahr starb der Chefarzt der Inneren Abteilung von St. Antonius, Dr. Deck, nachdem er über dreißig Jahre dort gearbeitet hatte. Man erwartete nun, daß der neununddreißigjährige Oberarzt Dr. Grond, seit 1945 Facharzt für innere Medizin am St.-Antonius-Krankenhaus, die Stelle übernehmen werde. Mitte August verbreitete sich das Gerücht, die Generaloberin der Augustinerinnen, die ehrwürdige Mutter M. Larga, habe dem 35 jährigen Assistenzarzt und Röntgenologen Dr. Warsch, Sohn des früheren Kölner Regierungspräsidenten und langjährigen Justitiars des St.-Antonius-Hauses, die Chefarztstelle zugesagt.

Der Brief an die Generaloberin

In dieser Situation schrieben 33 Ärzte aus Köln-Süd der Generaloberin einen vertraulichen Brief: "Die Öffentlichkeit, die Bevölkerung, die Geistlichkeit und vor allem die Ärzteschaft als berufene Vertreter der Patienten glauben, daß es ihr Recht ist, bei einer... Neubesetzung gehört zu werden. Es wird u. E. schwerwiegende Folgen haben, wenn die berechtigten Wünsche und Interessen der Bevölkerung, von denen das Krankenhaus lebt, einfach nicht berücksichtigt werden. Seit über vierzehn Jahren besteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Dr. Grond und der Patientenschaft. Wir erwarten, daß entweder Dr. Grond die Krankenhausabteilung weiterführt, oder daß ein anderer hochqualifizierter Internist in entsprechendem Alter und mit sehr langer spezialinternistischer Krankenhaustätigkeit berufen wird. Wir bitten Sie zu verstehen, daß es uns nicht gleichgültig ist, in wessen Hand ... das Geschick unserer Patienten ... liegt."

Am 5. September wurde die Stelle ausgeschrieben: Meldefrist: 1. Oktober. Bald darauf wurde bekannt, daß der neue Chefarzt Dr. Warsch heiße. Damit wäre die Sache zunächst erledigt gewesen, und man hätte abwarten können, wie der neue Chef sich bewähre. Auch einer der Ärzte, die zuvor gemahnt hatten, meinte nun: "Ich weiß nicht, ob es gut war, gegen die Meinung der Ärzte die Berufung des Dr. Warsch auszusprechen. Das ist aber eine Sache des persönlichen Geschmacks!"

Aber durch irgendeine Indiskretion gelangte jener Brief – wenn auch verspätet – an den Kölner Stadt-Anzeiger, der ihn gekürzt abdruckte. Zugleich forderte das Blatt in einem Kommentar die Kölner Ärztekammer auf, sich mit dem Fall zu befassen. Dr. Kaspar Roos, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, erklärte jedoch: "Wenn ein Arzt seine Facharzt-Anerkennung erhalten hat, dann ist er Facharzt und hat damit die Qualifikation, in seinem Fach tätig zu sein. Es geht uns gar nichts an, wenn ein Krankenhaus einen Arzt, der die Voraussetzungen erfüllt, anzustellen beabsichtigt. Wir denken nicht daran, uns in die Organisation der Kostenträger eines Krankenhauses einzumischen."

"Zwei Seelen in einer Brust", schrieb daraufhin der Stadt-Anzeiger. Es leuchtete ihm nicht ein, daß der praktische Arzt Dr. Roos aus Köln-Süd Vorstellungen über die Besetzung einer Chefarztstelle in einem Krankenhaus seines Bezirks äußerte (Roos hatte jenen Brief der 33 Ärzte mit unterzeichnet), der Vizepräsident Dr. Roos aber keine rechtliche Möglichkeit zum Eingreifen der Standesorganisation sah.