Viele Unternehmen sind nicht mehr wirklich selbständig, sondern gehören Konzernen oder privaten Großbesitzern. Die statistischen Unterlagen darüber sind lückenhaft. Wem das Kapital eines Unternehmens gehört, läßt sich zur Zeit nur bei Aktiengesellschaften feststellen. Damit erhält man jedoch hinreichende Anhaltspunkte, denn bei den GmbHs und erst recht bei offenen Handelsgesellschaften und sonstigen einer oder mehreren Personen gehörenden Unternehmen sind Kapitalverflechtungen juristisch schwer durchführbar. Immerhin gab es 1950 unter 2,13 Millionen nichtlandwirtschaftlichen Unternehmungen mit 13,3 Millionen Beschäftigten (ohne öffentliche Verwaltung, Bundesbahn, Bundespost und Sozialversicherung) nur 2559 Aktiengesellschaften (0,12 v. H.) mit 2,02 Millionen Beschäftigten (15,2 v. H.); nach den Ergebnissen der Umsatzsteuerstatistik entfielen auf sie ziemlich gleichbleibend nur 19 v. H. der volkswirtschaftlichen Umsätze.

Nach einer Zusammenstellung der amtlichen Statistik (vgl. Tabelle) gehörten von den 1958 in der Bundesrepublik bestehenden 2734 Aktiengesellschaften mit 27,3 Milliarden DM Grundkapital 7,65 Milliarden DM (28,0 v. H.) entweder Beteiligungsgesellschaften oder anderen Aktiengesellschaften („Schachtelbesitz“). Bei diesem Posten handelt es sich um die bestehenden kapitalmäßigen Verflechtungen, die in Einzelfällen als Eigentumskonzentration oder als Unternehmenskonzentration gewertet werden können. Für die Beurteilung der Eigentumsverhältnisse sind jedoch die anderen Posten dieser Statistik von größerer Bedeutung.

Die größte Gruppe bildet mit 11,04 Milliarden DM (40,4 v. H.) der sogenannte Dauerbesitz, d. h. Kapital, das Personen oder Stellen gehört, von denen angenommen werden kann, daß es ihnen in erster Linie um Einfluß auf die Geschäftsführung der Aktiengesellschaft zu tun ist und nicht – oder weniger – um die rentable Anlage ihres Vermögens.

Einen Einblick in die Wirtschaftskonzentration des Staates gibt der größte geschlossene Posten dieser Gruppe, der Aktienbesitz der öffentlichen Hand, der mit 3,55 Milliarden DM (13,0 v. H.) an dieser Stelle allerdings nicht vollständig erfaßt ist, denn die zum Teil umfangreichen Unterbeteiligungen der Aktiengesellschaften der öffentlichen Hand sind nicht hier, sondern in der Gruppe „Beteiligungsgesellschaften“ enthalten. Auch der Aktienbesitz von Ausländern dürfte zum großen Teil gehalten werden, um eine interessenmäßige Verflechtung mit ausländischen Unternehmen kapitalmäßig zu untermauern.

Dagegen wird man bei dem großen zum Dauerbesitz gerechneten Posten „sonstige Kapitaleigner“ zwar annehmen können, daß in diesen Fällen der Aktienbesitz einen Einfluß auf die Geschäftsführung der Gesellschaft sichern soll, aber nicht jeder Besitz eines größeren Aktienpaketes – etwa einer Sperrminorität –, der Einfluß auf die Tätigkeit des Unternehmens ermöglicht, beruht auf der Absicht, eine Verbindung mit anderen Unternehmen im Sinne einer gemeinsamen Steuerung herzustellen. Das ist ohne weiteres klar bei den 1,73 Milliarden DM (6,3 v. H.) des gesondert ausgewiesenen, aber keineswegs vollständig erfaßten Familienbesitzes, dürfte aber auch für andere Fälle zutreffen. Insoweit muß der Dauerbesitz sonstiger Kapitaleigner“ nicht in jedem Fall Konzentration bedeuten. Die 8,64 Milliarden DM (31,6 v. H.) des „übrigen Besitzes an Aktien“, der als „Streubesitz“ im wesentlichen als Kapitalanlage gehalten wird, dürften zugleich das Gegengewicht zu einer Eigentumskonzentration darstellen.

In den letzten beiden Spalten zeigt die Tabelle nach dem Vorbild der amtlichen Statistik das „bereinigte“ Grundkapital, d. h. das Grundkapital aller Aktiengesellschaften abzüglich der im Schachtelbesitz enthaltenen Passivbeteiligungen, weil deren Wert im Wert des als „Dauerbesitz“ oder „Streubesitz“ außerhalb der Aktiengesellschaften gehaltenen Kapitals nochmals enthalten ist. Diese Zahlen geben genaueren Aufschluß darüber, wer 1958 wirklich Eigentümer der deutschen Aktiengesellschaften war.