Anfang der Woche fanden sich auf der ersten Seite zweier großer westdeutscher Tageszeitungen gleichlautende, sehr erstaunliche Überschriften. Sie besagten, daß die britische Fluggesellschaft BEA die Oder-Neiße-Grenze anerkannt habe. Des Näheren erfuhr man aus den Meldungen: Das Warschauer Büro der Fluggesellschaft hat sich in der polnischen Hauptstadt dafür entschuldigt, daß die europäischen Flugkarten der BEA die polnisch verwalteten deutschen Ostgebiete nicht als endgültig zu Polen gehörig verzeichnete. Diese Karten seien „alt und überholt“. Die neuen Europakarten der Gesellschaft sollen das polnische Territorium zeigen, wie es „der Wirklichkeit“ entspreche.

Da hat also, um ihre polnischen Fluggäste nur ja nicht zu verärgern, eine britische Gesellschaft „anerkannt“, was anzuerkennen ihr gewiß nicht zustand. Eindeutige – und nach diesem Vorfall noch einmal ausdrücklich bestätigte – Auffassung der Londoner Regierung ist: Über die staatliche Zugehörigkeit der jetzt unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete entscheidet endgültig erst ein Friedensvertrag. Der britischen Fluggesellschaft aber ist, so scheint es, das Geschäft wichtiger als das Recht.

Fassen wir einmal den törichten Gedanken ins Auge, die Direktion der Lufthansa würde eines Tages – aus welchem Grunde immer – die Unabhängigkeit von Nordirland „anerkennen“. Obwohl je ein Engländer wieder eine Maschine dieser Gesellschaft bestiege? H. G.