Nichts ist umsonst, und so werden wir alle noch nachträglich für den allzu sonnenreichen Sommer und Herbst zu zahlen haben: die Bauern durch verringerte Mengenerträge, zum Teil auch durch höhere Kosten, und die Verbraucher durch ansteigende Preise. Diese sind insbesondere dadurch bedingt, daß auch jene europäischen Nachbarländer, die traditionell Exporteure für Ernährungsgüter sind, unter den Dürrefolgen gelitten haben und deshalb wenig Ware liefern können – für die entsprechend hohe Preise gefordert werden. Aus Übersee können zwar hochwertige Futtermittel bezogen werden, sogar billiger als bisher, weil das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft endlich ein Einsehen zeigt und seine Marktordnungsmaßnahmen modifiziert. Aber Rauhfutter ist, wegen der hohen Frachtbelastung, auf überseeischen Märkten nicht zu beschaffen, und das gleiche gilt für Kartoffeln; bei Butter ist der Markt zu eng, so daß eine Entlastung, etwa durch Käufe neuseeländischer Ware, jetzt praktisch nicht mehr in Frage kommt.

Der Verbraucher wird somit, falls ihm der Butterpreis zu hoch erscheint, die Konsequenz ziehen und auf andere Speisefette ausweichen müssen: in erster Linie also auf Margarine, auch auf Schmalz. Fleisch wird allerdings nicht teurer werden – eher im Gegenteil: weil es an Futter fehlt, müssen im nördlichen und im mittleren Teil des Bundesgebiets viele Bauern einen Teil ihrer Rindviehbestände abbauen. Die Schlachtviehmärkte stehen unter Preisdruck. Um es nicht zu einem Preisverfall kommen zu lassen, der für alle die von Dürreschäden besonders betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe katastrophale Folgen haben müßte, soll die Einfuhr- und Vorratsstelle intervenieren und im Verlauf der nächsten Monate bis zu 100 000 Rinder „am Markt aufnehmen“.

Damit wird eine Reserve an Kühlhaus- und Dosenfleisch geschaffen, die im Frühjahr nützlich sein kann, wenn der Marktauftrieb, nach Anpassung des Viehbestandes an die Futterlage, dann voraussichtlich unter den normalen Stand absinken wird. Um dennoch jetzt einen gewissen Druck auf die Ladenpreise für Rindfleisch auszuüben, die sich den gesunkenen Viehpreisen noch nicht angepaßt haben, sollen 24 Mill. Dosen Schweinefleisch aus der Bundesreserve auf den Markt kommen. Der Einkaufspreis (für Handel und Schlächter) wird, wie man hört, 1,30 DM je Dose betragen; für den Verbraucher soll ein „Richtpreis“ von 1,75 bis 1,90 DM vorgesehen sein. Man fragt sich freilich, ob eine solche Handelsspanne (von 45 bis 60 Pfennigen, gleich 35 bis 45 v. H.) bei dieser Ware, die keine zusätzlichen Vertriebskosten erfordert, wirklich berechtigt ist.

Unglücklich ist die Entscheidung, den Butterzoll beizubehalten. Als Argument hierfür wird angeführt, daß die ausländischen Exporteure – ebenso, wie es nach Aufhebung des Kartoffelzolls der Fall gewesen sei – sicherlich ihre Preise für Lieferungen nach Deutschland um den Betrag erhöhen würden, der aus dem Fortfall der Zollbelastung resultiert. Dieses „Geschenk“ aber wolle man den ausländischen Lieferanten nicht machen.

Solche Überlegungen zeigen, daß den beteiligten Ressorts – Finanz und Ernährung – nach fast zwölf Jahren praktizierter Marktwirtschaft noch immer die Kenntnis der marktwirtschaftlichen Elementarvorgänge fehlt. Es wäre völlig töricht, vom ausländischen Lieferanten zu erwarten, daß er dann, wenn auf dem großen deutschen Markt Knappheitspreise bewilligt werden, unter Marktpreis anbietet und damit also „seinen Vorteil verschenkt“. Die Situation wird sich erst ändern, wenn durch den hohen Preisstand auf dem deutschen Markt hinreichende Angebotsmengen mobilisiert werden, um den Ausgleich zur Nachfrage zu schaffen. Erst dann ist ein Umschwung der Preistendenz zu erwarten, bei dem sich nun auch der Fortfall des Zolls preismäßig auswirkt, der deutsche Inlandspreis sich also dem Preisstand des Angebots auf dem „Weltmarkt“ angleicht.

Zollsenkungen oder auch die völlige Aussetzung eines Zolls wirken sich eben erst auf lange Sicht aus – zumal wenn sie zu spät erfolgen, nämlich in einer bereits stark angespannten Versorgungslage. Aber besser spät als nie – das sollte Minister Schwarz bedenken, von dem man nur hoffen kann, daß er seine ursprüngliche Absicht, den Butterzoll zu suspendieren, jetzt doch noch gegen die Widerstände im eigenen Haus und im Bundesfinanzministerium durchsetzen wird. Eine solche Lösung würde zwar den Butterpreis nicht ganz so hoch ansteigen lassen, wie es sonst zu erwarten wäre, würde aber auch nicht so stark zum „Ausweichen“ auf den Margarine-Konsum anregen, wobei ja die Landwirtschaft immer befürchten muß, daß der Verbraucher später bei der Margarine bleibt. F. L./E. T.