Aber warum das entgegengesetzte Extrem verfechten, warum „Akademische Kollegien“, in denen „Kultur“, „Erziehung“ und „Bildung“ ebenso im Mietpreis inbegriffen sein sollen wie fließend Wasser und Zentralheizung? Wie soll eine Gemeinschaft zwischen Lehrenden und Lernenden In solchen Heimen einen vernünftigen Sinn erziehen? Sollen Professoren (oder Tutoren) und Studenten dort gemeinsam Kaffee kochen – oder Studium betreiben?

Persönliche Kontakte zwischen Dozent und Student rechtfertigen sich dadurch, daß sie der wissenschaftlichen Arbeit dienen. Das Studium aber gehört in die Universität; dort ist der Ort, um nach den genannten Gütern zu streben, dort bat der erwähnte Kontakt stattzufinden – statt der „Betreuung“ einer nach Fakultät und Semesterzahl zusammengewürfelten Schar etagenweise eingeteilter Heimbewohner!

Selbst wenn nicht der Umstand, daß die Buden schlecht und zu teuer sind, sondern die Scheu vor unbequemer Selbständigkeit („Angst vor Vereinsamung“) der Hauptgrund dafür sein sollte, daß die Heime heute recht beliebt sind: Heime müssen nicht schlecht sein; man darf nur nicht die letzte studentische Selbständigkeit vollends einstampfen. Die Tatsache, daß die Hochschulreform – wohl noch lange – auf sich warten läßt, ist kein Grund dafür, die Studenten in kostspielige Sozialstationen zu füllen – mit Universitätsbetreuung bis an den Nachttisch.

Olaf Mölgaard, stud. jur., Frankfurt

Da hat also Professor Fuchs die möglichen Tyfen von studentischen Wohnheimen skizziert und dabei auch das Studentendorf erwähnt, allerdings mit dem Zusatz: es läßt noch kein rechtes Urteil zu, weil die Erfahrungen noch nicht ausreichen. Den Studiosus, der seit sieben Semestern in einem Studentendorf wohnt, muß solche Rede verwundern.

Da gibt es seit über zehn Jahren in Wilhelmshaven-Rüstersiel ein Hochschuldorf, in dem etwa 500 Studierende von sechs Wilhelmshavener Hoch- und Fachschulen mit der Mehrzahl ihrer Professoren und Dozenten wohnen; da gibt es in diesem Dorf eine studentische Selbstverwaltung mit Hausältesten, einem Dorfrat mit Ausschüssen für wirtschaftliche, kulturelle und Ordnungsfragen, mit einem Dorfgericht und vor allem: mit weitreichenden Befugnissen; da hat jedes Haus seinen Tutor; da gibt es tatsächlich den vielbeschworenen Kontakt von Lehrenden und Lernenden; alles in allem: einen Berg von Erfahrungen (guten und auch schlechten).

Siegfried Jenkner, stud. disc. pol., Wilhelmhaven