RH-Hamburg

Ein Supertanker, für den die Elbe zu flach ist, kann die Hamburger aus dem Schlaf scheuchen. Wenn sie dann überlegen, was da zu machen ist, und wie sie bei Niedrigwasser die „Aufkommer“ (binnendeutsch: die einlaufenden Schiffe) von über 30 000 Bruttoregistertonnen noch empfangen könnten, dann sind sie tiefversonnen am Rechnen – und nichts als das.

Wenn aber die Hamburger ein Düsenclipper, dessen Tonnenzahl sich für Hamburger Augen kaum ohne Lupe erkennen läßt, im Schlafe stört, dann ist das etwas anderes. Denn bei diesem Düsenclipper stört den Hamburger nicht der Gedanke, daß er auf den zu kurzen Startbahnen in Fuhlsbüttel nicht navigieren kann und damit ähnlich gehindert ist, uns hier zu besuchen, wie die Supertanker, solange nicht die Elbe mit einem Aufwand von zweihundert Millionen Mark vertieft worden ist. Die „Tina Onasis“ geht elfeinhalb Meter tief und muß noch anderthalb Meter Wasser unter dem Kiel behalten. Die Düsen-Clipper der Pan American Airways brauchen drei Kilometer, um vollbeladen zu starten. Die Elbe muß darum tiefer und die Fuhlsbüttler Startbahn länger werden.

Der große Unterschied aber ist, daß die Elbe nun tiefer werden muß, weil Hamburg Welthafen ist, die Startbahnen des Flughafens aber nur lärger werden müßten, wenn man den sogenannten Fortschritt in Fuhlsbüttel haben will.

Sei es, daß die Hamburger erst bei hohen Bruttcregisterzahlen zu rechnen beginnen oder daß ihr Herz doch allein am Wasser hängt,: jetzt, wo sie sich überlegen müssen, ob die großen und moderneren Fahrzeuge der Luft ihren Hafen anlaufen sollen, stellen sie Betrachtungen an, die sich von nüchternen Rechnen beim Elbvertiefen erheblich unterscheiden. Sie sprechen von des Bürgers Gemütlichkeit, Gesundheit und Frieden.

Seitdem es Lärm in so üppiger Menge gibt, hat sich ein alter Slogan umgekehrt. Ruhe ist nicht mehr die erste Bürgerpflicht. Ruhe ist erstes Bürgerrecht. Und die Hamburger wollen ihre Ruhe – den Rest davon jedenfalls, der noch vorhanden ist Sie wollen nicht vom Zischen der Düsenclipper der PAA aus dem Schlaf gerissen werden. Verständlich, wenn man bedenkt, daß solch ein Flugzeug kaum über mehr BRT verfügt als ein Alsterdampfer.

Die Flugzeugreeder sagten: Paßt mal auf und hört fein hin! Wir werden in Hamburg einen Clipper landen, wir werden ihn wieder rausfliegen – und merken tut ihr nichts. Das ganze Gerede vom größerem Lärm ist Unsinn, ihr werdet es hören – oder vielmehr: Ihr werdet es nicht hören