Über die steigenden und vor allem billigen Kunststoffimporte aus Italien, Frankreich und Japan hat sich nun auch die Dynamit AG, vormals Alfred Nobel & Co., Troisdorf, beschwert, die so vielseitig wie kaum ein anderes Unternehmen auf dem Kunststoffgebiet engagiert ist. In einer Pressebesprechung betonte der Vorstand, daß die westdeutschen Kunststoffproduzenten der Entwicklung des Gemeinsamen Marktes im Grunde „ohne Bangen entgegensehen“ könnten, daß aber der enorme Ausbau der Kapazitäten im EWG-Raum, vor allem von Seiten amerikanischer Konzerne, mindestens die Gefahr eines anhaltenden Preisdruckes bedeute (was ja für den Verbraucher keineswegs das Schlechteste ist!).

Die Dynamit AG ist nicht nur als Rohstoffhersteller, sondern auch als einer der wichtigsten Halbzeugfabrikanten und sogar auch als Produzent von Fertigerzeugnissen an dem Geschehen auf dem Kunststoffmarkt interessiert, der für ihre Produktion zunehmend wichtiger wird, wichtiger vielleicht eines Tages als das traditionelle Geschäft mit Sprengstoffen, das dem Unternehmen früher einmal seinen Namen gegeben hat. Zwar gehört das Troisdorfer Werk schon zu den ältesten deutschen Kunststoffproduzenten, aber da die Kunststoffe in den Augen dieses Unternehmens erst anfangen, „eine wesentliche Produktionsgruppe zu werden“, ist die künftige Betätigung auf diesem Gebiet vorgezeichnet.

Wie der Vorstand von Dynamit Nobel vor der Presse mitteilte, ist Troisdorf bisher mit 10 v.H. an der westdeutschen Kunststoff Produktion – von 650 000 t im vergangenen Jahr – beteiligt. Die zuversichtlichen Schätzungen der Branche gehen dahin, daß sich die gesamte westdeutsche Kunststofferzeugung innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln wird. Auf diese Entwicklung stellt sich auch Dynamit Nobel ein. Die Gesellschaft konnte im laufenden Jahr eine Steigerung ihrer Kunststoff Produktion von etwa 15 v.H. erreichen. Das entspricht auch ungefähr der Umsatzsteigerung in dieser Sparte des Unternehmens. Eine zahlenmäßige Aussage hierzu wurde allerdings noch nicht gemacht, wie überhaupt die Publizität dieser von – noch – drei Großaktion nären umschwärmten Gesellschaft mehr nach dem traditionellen Troisdorfer Erzeugnis etwa unter dem Motto „Vorsicht, Sprengstoffe!“ ausgerichtet ist. Im vorigen Jahr hatte der Konzernumsatz, an dem Kunstoffe mit etwa 50 v.H. beteiligt waren, 544 Mill. DM betragen. Die Vorjahrsdividende von 14 (nach 12) v.H. auf das Aktienkapital von 47 Mill. DM hielt sich im Rahmen dessen, was auch die großen IG-Farben-Nachfolger ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 1958 gezahlt haben. nmn.