Wieder wie schon einmal Ende August haben chinesische Truppen indische Grenzpolizisten überfallen und nach indischen Angaben 17 Inder getötet (nach Erklärungen Pekings waren es neun). Das war das Vorspiel für die gleich darauf folgende Erklärung, Peking wolle den indisch-chinesischen Grenzkonflikt „friedlich“ beilegen.

„Die An und Weise, in der die Chinesen Mörser und Maschinengewehre in Stellung brachten, zeigt, daß es sich um eine planmäßige, größere Aktion handelte kommentierte Ministerpräsident Nehru. Er wies darauf hin, daß die indischen Grenzposten nicht militärisch bewaffnet waren, weil sie lediglich für die Kontrolle des zivilen Grenzverkehrs zuständig sind. Die Regierung in Delhi steht unter scharfem Beschuß der Presse. Die Times of India beklagt sich über die völlig unzulänglichen Verteidigungsvorkehrungen und behauptet, die Regierung hätte keine Ahnung, was in jenen Gebieten eigentlich vorgeht.

Konnte man schon damals, als die Chinesen im Nordosten Indiens die Grenze gewaltsam überschritten und territoriale Forderungen anmeldeten, sich nicht erklären, warum die Chinesen ausgerechnet die Inder, ihre zuverlässigsten Anwälte in der westlichen Welt, angriffen, so ist es diesmal vollends unverständlich.

Diesmal nämlich erfolgte die Aggression in Ladak, einem Gebiet, das zu Kaschmir gehört, und damit sind zwei sehr viel militantere Politiker als der indische Ministerpräsident auf den Plan gerufen worden. Nämlich Bakschi Gulam Mohammed, der Ministerpräsident von Kaschmir, der vor seinem Parlament sagte: „Jeder Zoll der kaschmirischen Grenze wird unter allen Umständen und um jeden Preis verteidigt werden.“ Und ferner General Ayub, der Ministerpräsident Pakistans, dessen Truppen mit amerikanischen Waffen wohlausgerüstet sind („Jedem chinesischen Eindringen werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln widersetzen“).

Eine erfreuliche Konsequenz der chinesischen Aggression: Es scheint, daß sie eine Annäherung, wenn nicht Aussöhnung Indiens und Pakistans herbeiführen wird. In der vergangenen Woche kam es bereits zu einer Einigung über Grenzstreitigkeiten in Ostpakistan, und auch die in Washington geführten Gespräche über den Verteilungsschlüssel des Indus-Wassers scheinen einer befriedigenden Lösung entgegenzugehen.

Wenn es zwischen beiden Ländern tatsächlich zu einer Einigung über Kaschmir käme, so würde dies bedeuten, daß ein gefährlicher Feuerherd in Asien ausgeräumt wird – ein Feuerherd, der immer wieder antiwestliche Funken sprüht. D