DIE ZEIT

Anerkennung

Anfang der Woche fanden sich auf der ersten Seite zweier großer westdeutscher Tageszeitungen gleichlautende, sehr erstaunliche Überschriften.

"Apostel Paulus und die DDR"

Zu unserem Leitartikel, der die Frage aufwarf, ob der Christ unter allen Umständen – auch im antichristlichen Gewaltstaat – der Obrigkeit Gehorsam leisten müsse, sind uns so viele Meinungsäußerungen zugegangen, daß wir in der nächsten Ausgabe eine Zusammenstellung veröffentlichen werden.

Wo steht Washington?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig, einen Blick zurückzuwerfen auf die Art und Weise, in der die Westmächte und vor allem die Vereinigten Staaten während der letzten zehn Jahre den Kalten Krieg geführt haben.

Wenn der Staat in Not ist

Jede moderne Verfassung trifft Vorsorge für den Fall, daß die normale demokratische Maschinerie aus dem einen oder anderen Grunde, funktionsunfähig wird – sei es wegen einer äußeren oder einer inneren Krise, die mit den üblichen Mitteln nicht zu bewältigen ist.

Umbau im AA

Die Spitze des Auswärtigen Amtes wird reformiert. Es gibt aber kein großes Revirement. Wenigstens in den nächsten Monaten nicht.

Europas Musterdemokratie

Die Schweizer haben am vergangenen Sonntag ihr Parlament – den Nationalrat – neu gewählt, und manche Kantone haben bei derselben Gelegenheit auch ihre Abgeordneten im Ständerat bestellt, der dem Senat in Amerika entspricht.

ZEITSPIEGEL

Auf Antrag der NATO hat der Rat der WEU der Bundesrepublik die Erlaubnis gegeben, sich an der Herstellung von Flugzeugabwehrraketen zu beteiligen.

Ein temperamentvoller Streiter

Er ist ein Hansdampf, in vielen Gassen und in vielen Sätteln gerecht; er prescht gerne nach vorn und hat auch schon manchen Dämpfer bekommen.

Friedliche Regelung mit MG

Wieder wie schon einmal Ende August haben chinesische Truppen indische Grenzpolizisten überfallen und nach indischen Angaben 17 Inder getötet (nach Erklärungen Pekings waren es neun).

Eine Lanze für die "Rathausparteien"

Am 25. Oktober wählte Schleswig-Holstein seine Gemeindeparlamente; Baden-Württemberg wählt seine Kommunalpolitiker am 8. November.

Im Dunst der Komplotte

Der frühere poujadistische Abgeordnete Pesquet behauptet, er habe jenes Attentat im Einvernehmen mit Mitterand selbst inszeniert; er sei darauf eingegangen, um auf diese Weise die vielen Gerüchte von Mordkommandos und Komplotten als Provokation der angeblich Bedrohten zu entlarven.

Moskaus 94 politische Grüße

Drei Wochen vor den sowjetischen Staatsfeiertagen am l. Mai und 7. November gibt die Parteiführung jedes Jahr eine Sammlung von Losungen heraus, die auf der Titelseite aller Zeitungen erscheinen und in vielen Rundfunksendungen übertragen werden.

"Spalterflagge" im Hafen

In der letzten Woche ist, von findigen Journalisten entdeckt, die sowjetzonale Spalterflagge mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz zum ersten Male im Hamburger Hafen aufgetaucht.

Lippmann zu Berlin

Walter Lippmann analysiert in einem Artikel in der New York Herald Tribune die Meinungsverschiedenheiten im westlichen Lager.

Niedersachsen: Streit um eine Ruine

Bundespräsident Dr.Lübke und Bundesverteidigungsminister Strauß haben Protesttelegramme aus Hannover erhalten. Die Absender wollen eine Ruine vor dem Abbruch retten: das mächtige Gemäuer der ehemaligen Garnisonkirche am Goetheplatz.

Wird Napoleons Grenze neu gezogen?

Am 15. April 1952 hatte der damalige Ministerpräsident Reinhold Maier im Stuttgarter Landtag seine goldene Uhr aus der Weste gezogen und in schwäbisch getöntem Hochdeutsch verkündet, daß seit 12.

Hessen: Wunder-Wein, zum Wohl!

Der 1959er brodelt schon in den Fässern, und zugleich mit ihm sind die Gemüter der Winzer und Weinhändler in Wallung geraten: Wird es ein "Jahrhundertwein" oder gar ein "Jahrtausendwein"? Wird dieser Jahrgang den berühmten 1911er erreichen oder gar übertreffen? Man hört Wunderdinge von den Spätlesen, Auslesen und Trockenbeerenauslesen einzelner Güter an der mittleren Mosel und im Rheingau – Wunderdinge, die sogar durch exakte Messungen bestätigt wurden.

Die Gruppe 47 und ihre Kritiker

Dies sind die beiden großen Ereignisse im alljährlichen Literaturbetrieb der Bundesrepublik: die Messe der Bücher in Frankfurt und die Tagung der Gruppe 47 an jeweils wechselnden Orten.

Ist der Nobelpreis zweitrangig?

Nein, Salvatore Quasimodo, achtundfünfzigjährig, gebürtiger Sizilianer, Dozent für Literaturgeschichte an der Mailänder Musikakademie, Verfasser von fünf schmalen Gedichtbänden und diesjähriger Träger des Nobelpreises für Literatur, ist in Deutschland so gut wie unbekannt.

Salto Mortale

Ehe ich an diesem Dienstagmorgen mein Zimmer verlassen hatte, war alles wie immer. Daß es ein Dienstag war, kann ich mich noch genau erinnern.

Skizzen im Herbst

2. September. – Schon liegt morgens Nebel über der Wiese, die Obstbäume stehen bis zum Knie in weißem Dampf. Die Luft ist kühl, gläsern, die Berge ferngerückt.

Nun weiß der König Bescheid

Drei Inspektoren ersannen ein Formular. Denn es genügte nicht allein zu wissen, ob jemand Hunger leide. Da gab es, wollte man gründlich sein, noch anderes und vieles zu ergründen: Wenn einer hungerte, warum er das tue.

Von der Phantasie zur Langeweile

Im Leverkusener Museum zeigt Udo Kultermann, der vor einigen Monaten die Leitung von Schloß Morsbroich übernahm, sein erste selbständiges Programm, die Ausstellung "Kunstsammler an Rhein und Ruhr".

Eines Sonntags, punkt elf Uhr

Wie die Vorstellung geartet war, die Werner Krauss vom Tode hatte, ist rätselhaft. Indessen mag die Anordnung, daß bei seiner Trauerfeier auf erleuchteter Bühne Schweigen zu herrschen habe, einen Hinweis geben auf sein vielschichtiges Wesen, in dem es eine Schicht gab, wo merkwürdige Dumpfheit, unergründliche Starre, hintergründige Konvention herrschte.

ZEITMOSAIK

Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut, Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

Damit niemand lüge

Werner Krauss, durch den berühmten Ifflandring, den er nach Albert Bassermann erhielt, als der beste zeitgenössische Schauspieler deutscher Sprache ausgezeichnet und im Jahre 1954 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz dekoriert, hat höchst charakteristische Wünsche geäußert, wie er nach seinem Tode beizusetzen sei.

Mein Gedicht

Kaum einer unter uns – schon gar nicht unter den Jüngeren – käme heute darauf, jemanden, der Trost sucht, auf Gedichte zu verweisen.

Herumsitzen ist so schlecht nicht

"Ich hasse es, wenn Menschen alles verallgemeinern. Capone war ein Gangster, also sind alle Italiener Gangster. Der jüdische Krämer an der Ecke ist ein Gauner, also sind alle Juden Gauner.

Die Nachzügler drängen zur Kasse

Wir stehen am Vorabend einer neuen ernsten Auseinandersetzung über die Verteilung der Einkommen. Die Beamten, Angestellten und Arbeiter des öffentlichen Dienstes und der öffentlichen Betriebe haben zu Buch schlagende Forderungen angemeldet.

Zeit-Raffer

Nach langen. Wochen des Wartens und der Auseinandersetzung über das Für und Wider einer Bundesanleihe und ihrer Bedingungen ist am Wochenanfang die Entscheidung gefallen.

Galbraith: Ein Börsenkrach

kaufaufträgen zurück. Um elf Uhr war das, was einmal ein Aktienmarkt gewesen war, nur noch ein wilder Kampfplatz, auf dem die Verkaufswut tobte.

Geschenk für Ihre Frau (II): Kampf dem Abwasch

Abwasch – schon das Wort ist scheußlich. Der kürzlich veranstalteten Umfrage nach der unbeliebtesten Hausarbeit hätte es kaum bedurft, um zu wissen: Nichts ist der Hausfrau verhaßter als Geschirrspülen! Unproduktiv, schmutzig, schrecklich für die Hände, nervenaufreibend wegen der ewigen Bruchgefahr, dennoch langweilig, vor allem aber zeitraubend, so charakterisierten Nur-Hausfrauen und Berufstätige gleichermaßen das alltägliche Ungemach des Spülbeckens.

Bei schönem Wetter steigt der Butterpreis

Nichts ist umsonst, und so werden wir alle noch nachträglich für den allzu sonnenreichen Sommer und Herbst zu zahlen haben: die Bauern durch verringerte Mengenerträge, zum Teil auch durch höhere Kosten, und die Verbraucher durch ansteigende Preise.

Der Leser schreibt...

Zu Ihrem Artikel in der ZEIT Nr. 42: Zugleich mit der Senkung des 10-Pf/kWh-Tarifeswurden die Grundgebühren im 6-Pf/kWh-Tarif erhöht.

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