Walter Lippmann analysiert in einem Artikel in der New York Herald Tribune die Meinungsverschiedenheiten im westlichen Lager. Er sagt, die Amerikaner und die Engländer seien bereit, über Berlin zu verhandeln, während Frankreich und die Bundesrepublik jede Veränderung des Status quo ablehnten – eben damit hänge auch die verschiedene Einstellung der westlichen Partner zur Gipfelkonferenz zusammen. Lippmann schreibt:

„Entweder wir verhandeln mit den Russen oder wir tun es nicht. Wir können uns aber nicht bereit erklären, über die Zukunft Berlins zu verhandeln und dann verlangen, daß an der derzeitigen Situation nichts geändert werden dürfe. Eine der beiden Ansichten muß sich durchsetzen: entweder der Standpunkt von Paris und Bonn oder der von Washington und London, ehe wir den Russen gegenübertreten.

Die Wurzel dieser Differenzen liegt in dem Problem der Anerkennung des ostdeutschen Staates. Jedermann weiß, daß, wenn es gelingen sollte, sich über einen neuen Status für Berlin zu einigen – ein Status, der die Freiheit der Stadt und den Zugang zu ihr garantiert –, der Preis dafür die de facto-Anerkennung der DDR in irgendeiner Form wäre. Bonn und Paris sind nicht gewillt, diesen Preis zu zahlen, während die Engländer und wir im allerletzten dazu bereit wären.

Sehr wahrscheinlich ist dieser Unterschied in den Auffassungen der Alliierten nicht leicht zu beseitigen. Dr. Adenauer bereitet sich auf eine entscheidende Wahl im Jahr 1961 vor. Er kann unmöglich freiwillig seine Zustimmung zu irgendeiner Regelung geben, die die Existenz zweier Deutschlands anerkennt. General de Gaulle, der die Wiedervereinigung nicht will, sondern im Grunde an der Existenz zweier deutscher Staaten interessiert ist, möchte, daß Dr. Adenauer 1961 wiedergewählt wird, denn kein anderer deutscher Politiker zeigt sich am Horizont, der den französischen nationalen Interessen ähnlich nützlich sein könnte. Mindestens bis jene Wahl vorüber ist und Adenauer ein neues Mandat erhalten hat, sind Bonn und Paris gleichermaßen daran interessiert, mit den Russen nicht in ernsthafte Verhandlungen über Berlin zu geraten.“