Als erstes Unternehmen der eisenschaffenden Industrie hat jetzt die August Thyssen-Hütte AG, Duisburg-Hamborn, den Schleier des Geheimnisses um die zu erwartenden Stahldividenden ein wenig gelüftet. Die Thyssengruppe rechnet für das Geschäftsjahr 1958/59, das in seinen ersten Monaten noch denkbar magere Ergebnisse gebracht hatte, um dann allerdings im weiteren Verlauf wieder in die lichten Höhen der Vollbeschäftigung aufzusteigen, mit einem „durchaus befriedigenden“ Abschluß, der es ermöglicht, eine „gewisse Aufbesserung des vorjährigen Dividendensatzes von 9 v. H.“ vorzuschlagen. Die Verwaltung legt sich zwar noch nicht fest, aber im Revier ist eine 10 prozentige Thyssen-Dividende im Gespräch. Das würde dann zugleich für die an die Ausschüttung der ATH gekoppelten Dividenden der Organtöchter bedeuten, daß die freien Aktionäre der Niederrheinische Hütte AG 11 v. H. und der Deutsche Edelstahlwerke AG 12 v.H. erhalten. Auch die – noch nicht ganz legitime – neue Tochter der August Thyssen-Hütte, die Phoenix-Rheinrohr AG, wird sich vermutlich der Konzernoptik nicht entziehen und die Vorjahrsdividende von 9 auf 10 v.H. heraufsetzen.

Diese freundlichen Perspektiven eröffnet ein Aktionärbrief der August Thyssen-Hütte AG, der einen bemerkenswert frühen ersten Überblick über das am 30. September beendete Geschäftsjahr vermittelt. Über das finanzielle Ergebnis des wie eine Fieberkurve verlaufenen Jahres 1958/59 wird zwar noch nichts, gesagt; aber „während im ersten Halbjahr bei weithin nicht ausgelasteten Kapazitäten die Ertragslage gedrückt war, führte in der zweiten Jahreshälfte nach der Wende am Stahlmarkt die gestiegene Ausnutzung der Werksanlagen und die damit verbundene Kostendegression wieder zu einer fühlbaren Verbesserung der Erträge“ heißt es in dem Rundbrief. Die bekanntgegebenen Produktions- und Umsatzzahlen der Thyssengruppe sprechen eindeutig für die vollständige Überwindung der mehr als einjährigen Marktschwäche beim Stahl. Die August Thyssen-Hütte AG, die Niederrheinische Hütte AG und die Deutsche Edelstahlwerke AG haben insgesamt 3,1 Mill. t Rohstahl und 2,7 Mill. t Walzstahl erzeugt. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 15 und 13,7 v.H. Der Konzernumsatz – einschließlich des Umsatzes der Tochtergesellschaften von Niederrhein – war mit reichlich 2 Mrd. DM um 6 v.H. höher als in 1957/58; der konsolidierte Fremdumsatz betrug rund 1,8 Mrd. DM und hat damit um etwa 3 v. H. zugenommen.

In dem Aktionärbrief stellt die Verwaltung fest, daß die hohen Auftragseingänge, vor allem aus dem Inland, alle Erwartungen übertroffen haben. Der Auftragseingang der ATH lag im Monatsdurchschnitt des Berichtsjahres – es sind dabei also die schwachen ersten Monate einbezogen – mit 178 000 t um etwa 39 v. H. höher als im Vorjahr. Der Versand hat sich demgegenüber um 17 v.H. auf 160 000 t monatlich vergrößert, so daß die ATH am Ende des Berichtsjahres ein Auftragspolster hatte, das mit rd. 385 000 t mehr als doppelt so hoch war wie am 30. September 1958. nmn.